Theodor Steinbüchel

Biografie

Zum 125. Geburtstag am 15. Juni 2013

Köln 1888-1908

15.06.1888 Theodor Martin Wilhelm Steinbüchel wird in Cöln am Rhein geboren

er erhält die preußische Staatsangehörigkeit

Das früheste erhaltene Foto aus dem Jahr 1890 (links: Theodors ein Jahr jüngerer Bruder Anton)
er ist das erste Kind der Kaufleute Elisabeth Steinbüchel (1859-1941), geb. Kierspel, und Martin Wilhelm Steinbüchel (1868-1933)
Die Eltern (um 1890)
das Geburtshaus "In der Höhle 29" lag in der Kölner Altstadt, in der Nähe des Gürzenich; im Volksmund wurde die Straße "die Höll'" genannt; sie existiert noch, das Haus nicht mehr (in der Nachbarschaft, in Haus Nr. 14, wohnte 1848 Friedrich Engels)

die Eltern betrieben in Haus Nr. 29 ein kleines Textil- und Kurzwarengeschäft
30.06.1888 Taufe in der ehemaligen Abteikirche Groß St. Martin


Auszug aus dem Taufregister

Eintrag Nr. 53 im Taufbuch: "Steinbüchel, Theodorus Martinus Guilelmus, (dies nativ[itatis]. = Geburtstag) 15/6, (dies bapt[izationis]. = Tauftag) 30/6, (Parentes = Eltern) Martinus Guilelmus Steinbüchel [et] Elisabeth Kierspel, (Patrini = Paten) Theodor Steinbüchel [et] Gertr[ud]. Kierspel"

Quelle: Taufen von Groß St. Martin aus dem Zeitraum 1869-1901, Historisches Archiv des Erzbistums Köln, Sign. AEK, KB 250

Stammbaum Theodor Steinbüchels
1890 Umzug der Familie aus der "Höll'" "unter Gottesgnaden", wo die Eltern das Familien­unter­nehmen, ein Geschäft für Leinen- und Manufakturwaren, übernehmen


hier, im "Schatten der Domtürme", wächst Theodor Steinbüchel auf

'Unter Gottesgnaden 2' um 1900
rechts: Auszug aus dem Kölner Adressbuch von 1895 (siehe unterster Eintrag)
Ostern 1894 Einschulung in die Katholische Volksschule der Kölner Dompfarre (kurz: "Domschule", Adresse: A. d. Rechtschule 8)


Kölner Schulwesen (Auszug aus dem Kölner Adressbuch von 1895, XL)

Anton und Theodor Steinbüchel (1896)
Ostern 1899 Einschulung als Sextaner am renommierten humanistischen "Königlich Katholischen Gymnasium an Marzellen" (kurz: Marzellen­gymna­sium, Adresse: Marzellenstr. 13) (seit 1860; vormals Bursa Cucana [1450], dann Bursa nova trium coronarum, auch Gymnasium trium coronarum oder einfach Tricoronatum [1552], ab 1911 dann Dreikönigs­gymna­sium)
Siegelmarke des Marzellengymnasiums

Rektoren: Heinrich Milz (1884-1901), Martin Wetzel (1901-1902) und Georg Wesener (1903-1912)
1902
Familienfoto von 1902 (v.l.n.r.: Vater Martin, Christine, Theodor, Maria, Helene, Anton, Mutter Elisabeth)

der Quartaner erhält ein vom deutschen Kaiser und König von Preußen, Wilhelm II., gestiftetes Diplom für die Klassenbesten aller preußischen Gymnasien, das an das 200-jährige Bestehen Preußens als Königreich erinnern soll
16.03.1908 Abitur - Note: genügend bis gut

Abiturarbeiten vom 20.-23.1. in den Fächern Mathematik, Deutsch, Griechisch und Latein (Historisches Archiv der Stadt Köln, Bestand 560, Nr. 1740-1743)

anschließend 14-tägige Reise mit dem Vater an den Vierwaldstättersee

Kölner Schulwesen (Auszug aus dem Kölner Adressbuch von 1895, XLV)

Bonn 1908-1910

Sommer-Halbjahr 1908 - Winter-Halbjahr 1909/10

Quelle: Amtliches Personal-Verzeichnis der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn für das Sommer-Halbjahr 1908, Bonn 1908, 83

Studium der Philosophie und Theologie an der "Königlich Preußischen Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität" (4 Semester)

Inscription am 30.04.1908 (Amtliches Personal-Verzeichnis der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn für das Sommer-Halbjahr 1908, Bonn 1908, 83) bzw. am 02.05.1908 (Fakultätsalbum, lfd. Nr. 26)

Eintritt als Seminarist in das Erzbischöfliche Theologenkonvikt "Leoninum" (Am Alten Friedhof 13)
SoSe 1909 Eintritt als Seminarist in das Erzbischöfliche Theologenkonvikt "Collegium Albertinum Bonense" (Coblenzer Str. 19)
Collegium Albertinum Bonense

Straßburg 1910-1911

Winter-Halbjahr 1910/11 - Herbst 1911 Fortsetzung des Studiums mit den Schwerpunkten Philosophie, Geschichte und Nationalökonomie an der "Kaiser Wilhelms-Universität zu Strassburg i. Els." (3 Semester):

er besucht bei Prof. Dr. Clemens Baeumker (1853-1924) u. a. die Kant-Vorlesung, das dreisemestrige Seminar über die "Kritik der reinen Vernunft" sowie die Vorlesungen über Metaphysik

Steinbüchel bezeichnet sich auch als "Schüler" des späteren Münchener Erzbischofs Michael Kardinal von Faulhaber (1869-1952), der 1903 bis 1910 in Straßburg Altes Testament lehrt

Straßburg ist zu dieser Zeit (1871-1918) die Hauptstadt des deutschen Reichslandes Elsaß-Lothringen
31.10.1910 Eintritt in die farbentragende, nichtschlagende Katholische Deutsche Studentenverbindung "K.D.St.V. Badenia zu Straßburg" im Cartellverband (CV) (Mitglied bis zu deren Verbot durch den Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei Heinrich Himmler am 20.06.1938)
"Fuchsenstall" des WiSe 1910/11
(Ausschnitt)
31.07.1911 Promotion zum Dr. phil. beim Philosophiehistoriker Prof. Dr. Clemens Baeumker (1853-1924)

Dissertation "Der Zweckgedanke in der Philosophie des Thomas von Aquino" vom 29.07.1911, Rigorosum: magna cum laude

Titelblatt der ersten, philosophischen Dissertation

Bonn 1911-1912

Winter-Halbjahr 1911/12 bis Sommer-Halbjahr 1912 Fortsetzung des Studiums der Katholischen Theologie (2 Semester), Immatrikulation am 5.10.1911 (lt. Amtliches Personal-Verzeichnis der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn ... für das Winter-Halbjahr 1911/12, Bonn 1911, 100)

Seminarist im erzbischöflichen Theologenkonvikt "Collegium Albertinum"

Erkennungskarte der Universität Bonn (Vorderseite)
Ende Aug. 1912 Theologisches Abschlussexamen mit sehr guten Leistungen in nahezu allen Fächern
Erkennungskarte der Universität Bonn (Rückseite)
28.08.1912 Exmatrikulation

Köln 1912-1913

1912 Eintritt ins Erzbischöfliche Priesterseminar zu Köln (Marzellenstr. 32)
Erzbischöfliches Priesterseminar zu Köln

Steinbüchels Köln
21.12.1912 Tonsur und niedere Weihen
15.02.1913 Weihe zum Subdiakon
17.05.1913 Weihe zum Diakon
10.08.1913 Priesterweihe in der ehem. Jesuitenkirche St. Mariä Himmelfahrt (Marzellenstraße) durch Erzbischof Felix von Hartmann (1851-1919)
17.08.1913 Primiz im Kölner Dom, seiner Heimat­gemeinde

Gravur auf der Unterseite des Kelchs: "Nepoti dilecto R.D.Dri Theod. Steinbüchel in piam mem[oriam]. s. ordinis Presbyteratus suscepti die 10. Aug. 1913 d[icto].d[ie]. Helena Kierspel" (Dem geliebten Neffen, dem hochwürdigen Herrn Dr. Theodor Steinbüchel in liebevoller Erinnerung an die heilige Priesterweihe, empfangen am 10. August 1913, am genannten Tag, Helena Kierspel [die unverheiratete, im Haushalt von Theodors Eltern lebende Schwester der Mutter])

Primizkelch Theodor Steinbüchels

gefertigt von "A[lois]. Kreiten Köln, kgl.-rum[änischer]. Hofgoldschmied"

Düsseldorf 1913-1915

22.08.1913 bis 30.05.1915 dritter Kaplan an St. Apollinaris, einer Arbeiter- und Industriepfarre im Stadtteil Oberbilk (Lessingplatz), und aushilfsweise Religionslehrer
St. Apollinaris, Düsseldorf-Oberbilk
1913 zur Ersatzreserve II gemustert
1914-1918 Lazarettseelsorger während des Ersten Weltkrieges (Verdienstkreuz für Kriegshilfe, verliehen am 19.12.1919); vom Militärdienst als katholischer Geistlicher befreit

Oberkassel bei Bonn 1915-1920

31.05.1915 bis 28.05.1920 Kaplan an St. Cäcilia in Oberkassel (bei Bonn), Dekanat Königswinter, und Religionslehrer

als "roter Kaplan" abgetan (Bernhard Häring)

St. Cäcilia, Oberkassel
"Der Begriff und die Bezeichnung 'roter Pastor' oder 'roter Kaplan' wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von konservativen Katholiken, besonders aus Unternehmerkreisen, als Spott- und Schimpfname gegen jenen Teil des katholischen Klerus geprägt, der sich innerhalb der christlich-sozialen Bewegung sozialreformerisch zugunsten der Arbeiterschaft einsetzte." (Klaus Kreppel)
1916 auf Anraten von Joseph Joos (1878-1965) erste Lektüre der Schriften des Priesters und Marx-Kenners Wilhelm Hohoff (1848-1923), der bereits in den 1870er Jahren den Dialog mit dem Sozialismus aufgenommen hatte

Steinbüchel bezeichnet sich selbst - in einem undatierten, zwischen August und Dezember 1918 verfassten Brief an Hohoff - als dessen Schüler

Auszug aus dem ersten erhaltenen Brief Steinbüchels an Wilhelm Hohoff vom 16.05.1918 (das letzte überlieferte Schreiben datiert vom 11.06.1920) (Nachlass Wilhelm Hohoff)
1917 - 1921 Steinbüchel veröffentlicht insgesamt 15 Artikel in der Zeitschrift "Deutsche Arbeit", hrsg. vom Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften, Berlin-Wilmersdorf

"Die 'Deutsche Arbeit' ist das wissenschaftliche Organ der christlich-nationalen Arbeiterbewegung. Sie ist anerkanntermaßen die in ihrer Art beste sozial-politische Zeitschrift Deutschlands."
(Werbung auf dem hinteren Einband von Brauer, Theodor: Christentum und Sozialismus, Köln 1920).

April 1919 (vergebliche) Bemühungen von Jakob Kaiser (1888-1961) und Christine Teusch (1888-1968), Steinbüchel zu einer Professur an der im gleichen Jahr wiedereröffneten "Universität zu Köln" zu verhelfen
Mai 1919 Abgabe der theologischen Dissertation bei der Bonner Fakultät: "Der Sozialismus als sittliche Idee. Mit besonderer Berücksichtigung seiner Beziehungen zur christlichen Ethik"

Erstgutachter: Prof. Dr. Fritz Tillmann (Moraltheologe und Rektor der Universität), Zweitgutachter: Prof. Dr. Arnold Rademacher (Fundamentaltheologe und Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät)

Bonn 1920-1926

1920 die Eltern übernehmen den Wäschegroßhandel Wachendorff & Dietz, eine Firma, für die Steinbüchels Vater zuvor schon gearbeitet hatte und deren Briefbögen Steinbüchel als Konzeptpapier für seine Vorträge und Veröffentlichungen aufbrauchte
29.05.1920 bis 31.03.1923 Repetent für die Theologiestudenten am erzbischöflichen Theologenkonvikt "Collegium Albertinum" (auf Wunsch des Erzbischofs Joseph Kardinal Schulte) und Rendant der beiden Konvikte, also des "Albertinum" und des "Leoninum"
Mai 1920 (vergebliche) Bemühungen um die Professur für Christliche Gesellschaftslehre an der Bonner Fakultät
02.07.1920 Promotion zum Dr. theol. an der Katholisch-Theologischen Fakultät
Dissertation: "summa diligentia eruditione sagacitate" (von höchster Sorgfalt / Gründlichkeit, Gelehrsamkeit und Klugheit), Rigorosum: summa cum laude

Promotionsurkunde
Anfang Sept. 1920 zweitägiger Besuch der Brüder Anton und Theodor Steinbüchel sowie Wilhelm Sobotas bei Wilhelm Hohoff in Paderborn Anschrift: Gierswall 24
16.08.1921 (Datum des Vorworts) Veröffentlichung der theologischen Dissertation als Band 1 der von Fritz Tillmann begründeten Reihe "Abhandlungen aus Ethik und Moral" (das Imprimatur des Kölner Generalvikars Dr. Joseph Vogt, der 1931 der erste Aachener Bischof wurde, datiert vom 11.08.1921)
Einband der zweiten, theologischen Dissertation
Autographe Widmung Steinbüchels im Exemplar des "Sozialismus als sittliche Idee", das er seinen Eltern geschenkt hat (Original im Familienbesitz).
"Meinen lieben Eltern in Dankbarkeit überreicht."
19.12.1921 Abgabe der (verschollenen) Habilitationsschrift: "Die Wirtschaft in ihrem Verhältnis zum sittlichen Werte. Ein Beitrag zur ethischen Werttheorie vom Standpunkt christlicher Ethik"

venia legendi für Moral und Christliche Gesellschaftslehre

sollte wie die theologische Dissertation in der Reihe "Abhandlungen aus Ethik und Moral" erscheinen; angekündigt unter dem Titel: "Die Wirtschaft als ethische Aufgabe" - "Wegen Inflation nicht erschienen." (Anton Steinbüchel)


"Auf Grund des Referates des H. Fr. Tillmann über 'Die Wirtschaft in ihrem Verhältnis zum sittlichen Wert' von Dr. Steinbüchel stelle ich den Antrag, die Fakultät wolle die Arbeit als Habilitationsschrift annehmen und Dr. Steinbüchel zu den weiteren Habilitationsleistungen zulassen."
Dozent an der Bibliotheksschule des Borromäus-Vereins (Gründung 16.4.1921) Anschrift: Borromäushaus am Wittelsbacherring 9
auf Platz drei der Vorschlagsliste der Münsteraner Katholisch-Theologischen Fakultät für die Professur für Christliche Gesellschaftslehre (Nachfolge Franz Hitze)
21.02.1922 Probevorlesung über "Kants Kritik am Lohngedanken und ihr Verhältnis zur christlichen Ethik"
25.02.1922 Assistent am moraltheologischen Seminar auf Wunsch seines Erzbischofs
Ende WiSe 1921/22 Habilitation für das Fach der Moraltheologie und der christlichen Gesellschaftslehre
26.04.1922 Öffentliche Antrittsvorlesung zur Vollziehung seiner Habilitation in der Katholisch-Theologischen Fakultät: "Individualistische und universalistische Lebenswertung"
01.04.1922 bis 31.03.1926 außerplanmäßiger, besoldeter Assistent am moraltheologischen Seminar Anschriften: erst Coblenzer Str. 19 (Amtliches Personalverzeichnis der Universität Bonn für das SoSe 1922, 6), dann Weberstr. 13 (Vorlesungsverzeichnis der Universität Bonn für das WiSe 1923/24, 88) und dann Weberstr. 84 (Vorlesungsverzeichnis der Universität Bonn für das WiSe 1924/25, 86)
26.04.1922 bis 31.03.1926 Privatdozent an der Universität Bonn Quelle: Personalverzeichnis für das Winterhalbjahr 1922/23 und Vorlesungsverzeichnis für das Sommerhalbjahr 1923 der Rheinischen Friedrich Wilhelms Universität zu Bonn ..., Bonn o. J.
Der "Tillmann-Kreis" (neben Fritz Tillmann gehörten dazu vor allem die Privatdozenten Theodor "Dores" Steinbüchel und Theodor "Döres" Müncker) ist "die Vorhut für eine den drängenden Zeitproblemen aufgeschlossene katholische Moraltheologie und hat manchen überalterten, erstarrten Begriffen und Ansichten mutig und verantwortungsbewußt neuen Inhalt und neue Richtung gegeben." (Anton Steinbüchel)
1924 Gründung der "Bonner Zeitschrift für Theologie und Seelsorge" durch die Bonner Katholisch-Theologische Fakultät: Tillmann - einer der Initiatoren - überträgt Steinbüchel die philosophische Sektion (zugleich ein wichtiges Publikationsorgan für ihn)

Frankfurt am Main 1924-1926

01.10.1924 bis 31.03.1926 parallel: beauftragte Lehrkraft an der "Johann-Wolfgang-Goethe Stiftungsuniversität": "Vorlesungen auf dem Gebiete der katholischen Weltanschauung" mit gleichzeitigem Lehrauftrag in Göttingen

Quelle: Universität Frankfurt a.M.: Verzeichnis der Vorlesungen. Winter-Halbjahr 1925/26 und Personalverzeichnis, Frankfurt a.M. 1925, 11


Quelle: Universität Frankfurt a.M.: Verzeichnis der Vorlesungen. Sommer-Halbjahr
1926 und Personalverzeichnis, Frankfurt a.M. 1926, 41


wöchentlicher Gesprächskreis im Café Laumer mit Ernst Michel (Leiter der gewerkschaftlichen "Akademie der Arbeit"), Alois Eckert (Frankfurter Stadtpfarrer), Josef Maria Nielen (Studentenpfarrer) sowie den Redakteuren der linkskatholischen "Rhein-Mainischen Volkszeitung" (RMV) Werner Thormann, Heinrich Scharp und Walter Dirks, den "roten Buben vom Liebfrauenberg" (Redaktionsanschrift, Frankfurt a. M., Liebfrauenberg 37)

"Mittwochkreis": "Theodor Steinbüchel kam selbst aus Gießen gelegentlich zu diesem Kreis. Paul Tillich und Martin Buber gehörten dazu und die Redakteure der RMV, die alle auch im Friedensbund Deutscher Katholiken mitarbeiteten. Gelegentlich stieß auch der Exponent des republikanischen Flügels in der Zentrumspartei, Reichskanzler a.D. Josef Wirth, dazu" (Bruno Lowitsch); auch Max Horkheimer und Theodor W. Adorno gehörten diesem erweiterten Kreis an
1924 bis 1932
Steinbüchel schreibt mindestens 44 Beiträge für die in Frankfurt gedruckte, aber überregional erscheinende RMV
März 1925 Steinbüchel wird auf den (geteilten) zweiten Platz der Vorschlagsliste der Tübinger Katholisch-Theologischen Fakultät für die Neubesetzung des Ordinariates für scholastische Philosophie und Apologetik gesetzt. Berufen wird der auf Platz 1 gesetzte Paul Simon mit Wirkung vom 1. April 1925.

Gießen 1926-1935

01.04.1926 planmäßiger beamteter ao. Professor für Philosophie, anfangs: "auf katholischer Grundlage" (ab SoSe 1929 durch Verfügung weggefallen) an der "Hessischen Ludwigs-Universität zu Gießen"

"Jahre der intensivsten Beschäftigung mit Marx" (Walter Dirks)


Anschrift: Südanlage 23
1926 bis 1933 Mitglied des "Deutschen Republikanischen Lehrerbundes an Volks-, höheren und Hochschulen", ein (sozialdemokratisch dominierter, aber überparteilicher) Zusammenschluss von Universitätsprofessoren und Lehrern, "die loyal zur Demokratie und fest zur Weimarer Reichsverfassung standen" (Andreas Mühling)
Hausgeistlicher am St. Josef Krankenhaus Anschrift: Liebigstr. 24
Prediger der sonntäglichen Spätmessen in St. Bonifatius Anschrift: Liebigstr. 30
31.01.1927 Gesprächsabend mit PD Bernhard Rosenmöller bei Karl Barth in Münster: "Letzten Montag hatte ich einen sehr guten Abend mit dem katholischen Religionsphilosophen Steinbüchel aus Gießen und seinem hiesigen Kollegen, dem Privatdozenten Rosenmöller, über Vernunft und Offenbarung, über Trinität und Christologie und Kirche, ein Gespräch, wie man es eben weit und breit mit keinem evangelischen Theologen führen könnte. Beide, besonders St[einbüchel]., seufzten übrigens erstaunlich offen über allerlei, was eben dort gerade an den umgekehrten Punkte als bei uns zu beseufzen ist! Man konnte sich ehrlich und freundlich die Hand geben und ahnte schon etwas von der Una Sancta."
Karl Barth

(Brief von Karl Barth an Eduard Thurneysen vom 4.2.1927, zit. nach Bahlke, Armin: Die katholische Rezeption Karl Barths [Beiträge zur historischen Theologie 152], Tübingen 2010, 52f)
11. bis 14.05.1927 in der RMV erscheint eine Art öffentliches Bekenntnis Steinbüchels zur Position seines Freundes Ernst Michel (1889-1964), wie dieser sie in seinem umstrittenen und zwei Jahre später indizierten Buch "Politik aus dem Glauben" (Jena 1926) niedergelegt hatte (es handelt sich um eine vierteilige, jeweils auf der Titelseite erscheinende Artikelserie)
14.07.1927 seine Professur für Philosophie auf katholischer Grundlage wird in die erste Abteilung der Philosophischen Fakultät eingereiht
ab WiSe 1927/28 Mitglied der Wissenschaftlichen Prüfungsbehörde für das höhere Lehramt
1928 Steinbüchel wird Ehrenphilister des Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereins W.K.St.V. Unitas Cheruskia zu Gießen
1928 erste von zwei Veröffentlichungen in "Der Morgen", der von Julius Goldstein herausgegebenen "Monatsschrift der deutschen Juden"
SoSe 1929 durch Verfügung entfällt bei seiner a.o. Philosophie-Professur der Zusatz "auf katholischer Grundlage"
11.08.1929

Mit Brief vom 29.04.1929 lädt Carl Muth, der Herausgeber der Zeitschrift "Hochland", Steinbüchel ein, Beiträge für das seit Januar erscheinende "Rote Blatt der katholischen Sozialisten" beizusteuern - und zwar über ihn als Vermittler, auch ohne Namensnennung, so dass selbst Heinrich Mertens als Herausgeber und Schriftleiter des "Roten Blattes" nicht erfahren müsse, wer der jeweilige Verfasser sei (Muth hatte Mertens, dem Herausgeber des "Roten Blattes" versprochen, ihm bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter behilflich zu sein; Nachlass Carl Muth, Bayerische Staatsbibliothek München, Sign. Ana 390 II.B). Eine Antwort Steinbüchels existiert leider nicht (mehr).
In den Nr. 4 und 6 / 1929 finden sich lediglich (hervorgehobene) Zitate Steinbüchels. Möglicherweise stammen die ab Juli 1929 unter dem Namen "J. Paulus" bzw. "J. P." erscheinenden religiösen Beiträge von Steinbüchel (Wiedergeburt [Nr. 7 / 1929], Unruhe zu Gott [Nr. 8 / 1929], Der Primat der Tat [Nr. 10 / 1929], Götzenzerschmetterung [Nr. 11/12 / 1929], Glaube [Nr. 2 /1930], Kritik und Gestaltung und die christliche Religion / Zum zweiten Kairos-Band [Nr. 7 / 1930]). Stil und Wortwahl deuten darauf hin.

In Steinbüchels Bibliothek befanden sich folgende Nummern des Jahrgangs 1930: 1-5, 7 und 12 (Nachlass Steinbüchel, Mappe 3, Dok. 2, 1a).
11.08.1929 Zum 10-jährigen Jubiläum erscheint in der RMV ein lobender Artikel Steinbüchels über das - so wörtlich - "Grundgesetz" des deutschen Volkes. Die Mitglieder der verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung verdienten "den Dank des Volkes". "Nicht des Unvollkommenen so schweren Menschenwerkes sollte man sich heute erinnern, sondern des Guten, das es birgt." (Steinbüchel: Zehn Jahre Weimarer Reichs-Verfassung, in: RMV Nr. 185 vom 11.8.1929, 2)
Einband der WRV von 1919
1929 bei der Freiburger Generalversammlung des Unitas-Verbandes wird Steinbüchel zum Ehrenmitglied ernannt
1929 Steinbüchels Eltern ziehen zu ihm und ihrer Tochter Maria, die den Haushalt führt, nach Gießen neue Anschrift: Liebigstr. 26 (ab WiSe 1929/30)
1930 für die Reihe "Religiöse Quellenschriften" (Düsseldorf: L. Schwann) bereitet Steinbüchel einen Band "Dokumente des Sozialismus" vor, der aber nicht mehr erscheint
Quelle: Kirchner, Egon: Methodik der philosophischen Propädeutik, Frankfurt/M. 1930, 49

Bei Fritz Tillmann in Rhöndorf
(Sommer 1930)
1931 Mitglied des (11-köpfigen) engeren Senats der Universität
1931 "Philister-Seniorat" der "Straßburger K.D.St.V. Badenia zu Frankfurt am Main" im CV (Aufnahme 1910)
Rücktritt - einen Monat vor der "Gleichschaltung" des CV, vermutlich aufgrund von Konflikten mit Anhängern der NSDAP; er blieb Mitglied des Altherrenverbandes bis zu dessen Verbot 1938
Die politische Ausrichtung der "Badenia" lässt sich an den Ereignissen um die Beteiligung an der von der Frankfurter Universität angesetzten und von den anderen Verbindungen boykottierten Feier zum zehnjährigen Bestehen der Weimarer Republik ablesen. Erst das geschlossene Auftreten der "Badenia" sowie ihr positives Bekenntnis zur Republik haben dazu geführt, dass die bereits abgesagte Verfassungsfeier (gegen den Druck vor allem der schlagenden Korporationen) dann doch noch stattfinden konnte.

Logo der Badenia

rechts: 50. Stiftungsfest der Badenia 1932 in Frankfurt am Main (Ausschnitt; vorn in der Mitte: Steinbüchel)
Quelle: 75 Jahre Badenia 1882 - 1957. Festschrift zum 75. Stiftungsfest, Oberursel 1957, 57
1932 Dreigespräch zwischen Martin Buber, Paul Tillich und Theodor Steinbüchel über "Religion und Gemeinschaft" im Frankfurter Rundfunk

rechts: Steinbüchels persönliches, signiertes Exemplar der 1932 publizierten Landshut-Mayer-Ausgabe der Frühschriften von Marx; Steinbüchel besaß auch die fast zeitgleich in der MEGA erschienene Fassung
Nach Jürgen Habermas war Steinbüchel der erste auf katholischer Seite, der sich an der Rezeption des jungen Marx beteiligte, und dies, ohne einen Trennungsstrich zwischen dem frühen philosophischen Marx und dem späteren Ökonomen zu ziehen. Bereits im Januar 1928 erscheint in der Literarischen Beilage der RMV aus der Feder Steinbüchels eine umfangreiche Besprechung der ersten Lieferung der MEGA, der ersten, unvollendet gebliebenen historisch-kritischen Gesamtausgabe der Werke von Karl Marx und Friedrich Engels.
08.05.1933 Brief an den Münchener Erzbischof und Vorsitzenden der Bayrischen Bischofskonferenz Michael Kardinal von Faulhaber aus Anlass der von den Nationalsozialisten am 01.04.1933 durchgeführten Hasskampagne ("Boykott") gegen von Jüdinnen und Juden geführte Geschäfte, Praxen und Kanzleien: Die christliche Gemeinde schulde auch dem "Samariter am Wege", der ihr Glied nicht sei, aber auf ihre helfende Hand sehe, die christliche Nächstenliebe (gemeint sind vor allem die in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden). Viel bewegt Steinbüchels Brief nicht. Aber immerhin ringt er Faulhaber eine (wenn auch schwache und zudem nichtöffentliche) Rechtfertigung für das Schweigen der bayerischen Bischöfe ab.
23.11.1933 Steinbüchels Vater Martin verstirbt im Alter von 73 Jahren bei ihm in Gießen Bestattung auf dem Kölner Westfriedhof
31.10.1934 Vereidigung auf den sog. "Führer" (durch Reichsgesetz vom 20.08.1934 eingeführt); erster Diensteid Steinbüchels: Anfang SoSe 1926

"Dieser Eid war von allen Beamten gefordert worden, als nach dem Tod Hindenburgs (am 2. August [1934]) Hitler (am 19. August) die Ämter des Kanzlers und Präsidenten vereinigt und selbst übernommen hatte."
Quelle: Busch, Eberhard: Karl Barths Lebenslauf. Nach seinen Briefen und autobiographischen Texten, 3. Aufl., München 1978, 268
1934 neben Michael Schmaus (Münster) und Albert Lang (Regensburg) auf der Liste für den Lehrstuhl für Apologetik / Fundamentaltheologie, den Lang dann zum 01.09.1935 erhielt
1935 auf der Liste des Mainzer Domkapitels für die Nachfolge des am 30.03.1935 verstorbenen Bischofs Ludwig Maria Hugo (1871-1935); gewählt wird am 10.06.1935 der Priester und hessische Zentrumsabgeordnete Albert Stohr
Quelle: Borengässer, Norbert M. / Stamer, Lambert: Theodor Steinbüchel, in: Unitas Handbuch V, hrsg. von Wolfgang Burr, Bonn 2005, 209-220, hier 214
Herbst 1935 Ruf nach München: "In der damaligen politischen Situation dürfte das einer Versetzung gleichgekommen sein." (Helmut Meinhardt)

Der Etat seiner Gießener Stelle soll nach seinem Wechsel "für nationalsozialistische Forschungsarbeit zur Verfügung gestellt" werden (internes Schreiben der Hauptabteilung J/II des "Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS" vom 24. Januar 1936; das Kürzel "H" deutet möglicherweise auf den Leiter der Abteilung, den exkommunizierten Priester und SS-Sturmbann­führer Albert Hartl als Autor hin.
Quelle: BArch, R 58/5579b
19.09.1935 "Nihil obstat" (gemäß Can. 256 CIC) mit Schreiben von Gaetano Kardinal Bisleti (Amtszeit: 1915-1937), Präfekt der "Sacra Congregatio de Seminariis et de Studiorum Universitatibus", an den München-Freisinger Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber
Briefkopf
Quelle: Nachlass Kardinal Michael von Faulhaber, Akt 5892

München 1935-1941

01.11.1935 Professor für Moraltheologie an der Katholisch-theologischen Fakultät der "Ludwig-Maximilians-Universität München", ab WiSe 1935/36 zunächst Vertretung der Professur, am 5.5.1936 rückwirkend zum 1.11.1935 zum o. Prof. berufen

Mitwirkung in der Akademikerseelsorge

Anschriften: zunächst Türkenstr. 15 II (wohl nur kurzzeitig), dann:
Karlstr. 32/0
1936 sein Buch "Der Umbruch des Denkens" erscheint; darin bringt Steinbüchel seine Wertschätzung für die "große Religionsphilosophie" Franz Rosenzweigs und dessen "alttestamentlichen Gottesglauben" sowie für Hermann Cohens "am alttestamentlichen Prophetentum" sich aufbauendes religionsphilosophisches Werk zum Ausdruck (ebd., 48f)
ab SoSe 1939 nach Schließung der Fakultät durch die Nationalsozialisten (vom Ende des Winterhalbjahres 1938/39 an) beurlaubt (unter Fortgewährung der Bezüge) vor den Nazis im Redemp­toristenkloster Gars am Inn versteckt; hatte "vom nazistischen System das Schlimmste zu fürchten" (Bernhard Häring)
Steinbüchels Aufenthalt in Gars ist zumindest für den 23.03.1941 belegt
Steinbüchel unterhielt "besonders freundschaftliche Beziehungen" zu seinem "Kollegen Prof. Dr. phil. Kurt Huber und dem in München studierenden Geschwisterpaar Hans und Sophie Scholl und ihrem Widerstandskreis 'Die weiße Rose'" (Anton Steinbüchel)
lehnt den Ruf auf einen Lehrstuhl für Philosophie an der Prager Karls-Universität ab (seit dem 15.3.1939 stand Prag unter nationalsozialistischer Herrschaft)

Steinbüchel habe "keine Lust" gehabt, "zu Ehren Herrn Hitlers ständig überwachte Vorlesungen zu halten" (Anton Steinbüchel)
14.07.1939 auf Platz 1 der Liste für die Nachfolge des (zum 1. April 1940) zu emeritierenden Steinbüchel-Lehrers und Moraltheologen Fritz Tillmann an der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Bonn - das Reichskirchenministerium lehnt allerdings eine Berufung Steinbüchels nach Bonn ab, "auch wenn damit wieder ein feiernder Münchener untergebracht würde" (Brief von MinDir Joseph Roth an MinDez Prof. Schwarz vom 20.7.1939)
1939-1945 "Herrn Dr. theol. Theodor Steinbüchel ... wird bescheinigt, daß er gemäß Verfügung des Oberkommandos der Wehrmacht vom 14.10.1939 Nr. 3325/29 betr. Heranziehung von römisch-katholischen Geistlichen und Theologiestudierenden zum aktiven Wehrdienst als Theologieprofessor an der Universität Tübingen von der Pflicht zur Ableistung des Wehrdienstes befreit ist. Rottenburg, den 25. Oktober 1943. Bischöfliches Ordinariat. I.V. [Stempel und Unterschrift]"
1941 Steinbüchel berichtet seinem Bruder "von einer 'bald' kommenden neuen, anständigen deutschen Regierung nach Hitlers Sturz". Als nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 die Namen der Verschwörer bekannt werden, erinnert sich Anton Steinbüchel, dass ihm einige der Beteiligten schon Jahre zuvor "vertraulich von Theodor" genannt worden waren, die "nun den Weg des Münchener Professor Huber und der Geschwister Scholl gehen mußten." (Anton Steinbüchel)

Tübingen 1941-1949

01.04.1941 Lehrstuhlvertretung für Moraltheologie an der "Eberhard-Karls-Universität Tübingen", unter Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs (erste Vorlesung am Montag, 5. Mai 1941, 9-10)

Anschriften: Neckarhalde 64,
Bismarckstr. 14 (ab WiSe 1941/42)
19.04.1941 Steinbüchels Mutter Elisabeth verstirbt 82-jährig in Künzing an der Donau, wo sie mit seiner Schwester Maria bei seinem Schüler, Dr. Hermann Gantenberg, lebt, der dort als Pfarrer wirkt Bestattung auf dem Kölner Westfriedhof, neben ihrem Mann
SoTri 1942 bis SoTri 1945 Geschäftsführender Direktor der Katholisch-theologischen Fakultät
1945 Steinbüchel wird in den (geheim tagenden) sog. Säuberungs­ausschuss der Universität Tübingen (auch Epurations- oder kurz E-Ausschuss) berufen und fertigt Gutachten über NS-belastete Kollegen an (archiviert sind Gutachten über den evangelischen Theologen Theodor Haering und den Philosophiehistoriker Max Wundt vom 1. bzw. 2. Juni)
SoTri 1945 Prodekan der Katholisch-theologischen Fakultät und Mitglied des "Kleinen Senats" der Universität
26.07.1945 (Rück-) Berufung auf das Ordinariat für Moraltheologie an der Universität München (erreicht ihn erst am 15.08.1945) - nicht angenommen
14.08.1945 bis SoSe 1946 Ernennung zum Dekan durch den Rektor der Universität (Ablösung des aus "gesundheitlichen Gründen" zurückgetretenen Prof. Dr. Josef Rupert Geiselmann)
Wiederbeginn der Universitätsarbeit, zunächst der beiden Theologischen Fakultäten, da sie seitens der französischen Militärregierung als am wenigsten "nazifiziert" galten - "Tübingen ist die erste der deutschen Universitäten, die nach dem Kriege ihre Pforten ihren Lehrern und Studenten wieder öffnen konnte und durfte." (Steinbüchel)
01.09.1945 Ordinarius für Moraltheologie - offizielle Übertragung der ordentlichen Professur durch das "Staatssekretariat für das französisch besetzte Gebiet Württembergs und Hohenzollerns" mit Genehmigung der Militärregierung
12.10.1945 erster Vortrag Steinbüchels an der vh Ulm - Leiterin: Inge Scholl, die Schwester von Sophie und Hans Scholl (ab 1952: Inge Aicher-Scholl)
Plakat von Otl Aicher für die vh Ulm
November 1945 Unterzeichner des Stiftungsaufrufs der Gesellschaft Oberschwaben

von der Mitgliedschaft ausgeschlossen sind "nicht nur Funktionäre der Partei, sondern alle, die eine Gesinnung bekundet haben, die der klargefügten Weite des oberschwäbischen Humanismus zuwiderläuft"
1945 Nachdem seine Schwester Helene Stollenwerk in Köln ausgebombt war (ihr Mann starb 1943, ihr jüngster Sohn Martin 1945, beide als Soldaten), zieht sie zusammen mit ihren Söhnen Theodor (Student der Theologie und Philosophie) und Franz Anton zu ihrem Bruder Theodor, dem sie den Haushalt führt.
02.05.1946 bis 22.04.1947 Rektor magnificus der Universität Tübingen (Wahl durch den Großen Senat am 19.3.1946)
(Gemälde von Siegfried Czerny aus dem Jahr 1950)

Rektoratsrede "Europa als Verbundenheit im Geist" (02.05.1946)

Steinbüchel genießt das Vertrauen der französischen Militärregierung, weil man dort wusste, dass er "offen gegen den Nationalsozialismus war" (Gerfried W. Hunold)
05.07.1946 v.l.n.r.: Capitaine René Cheval (frz. Beauftragter für das Erziehungswesen und Tübinger Universitätskurator), Armeegeneral Marie-Pierre Kœnig (Militärgouverneur der frz. Besatzungszone), Rektor Steinbüchel (in der Universität Tübingen)
WiSe 1946/47
Vorlesungsverzeichnis der Universität Tübingen
23.04.1947 bis 07.04.1948 Wiederwahl als Rektor für eine zweite Amtsperiode durch den Großen Senat

rechts: im häuslichen Arbeitszimmer
05.02.1948 Mitbegründer des Collegium Leibnizianum (akademisches Vorbereitungsjahr)

rechts: Titelseite der Dokumentation der Auftaktveranstaltung
SoSe 1948 bis WiSe 1948/49 Prorektor - bis zu seinem Tod
23.05.1948 Besuch des 21-jährigen Theologiestudenten Joseph Ratzinger (der spätere Papst Benedikt XVI.) bei Steinbüchel
September 1948 Inspirator der Beuroner Hochschulwochen (Studium generale für Studierende aller Fakultäten)
Einladung zu Gastvorträgen an die Pariser Sorbonne sowie an die Universitäten von Barcelona und Amsterdam
Oktober 1948 letzter Besuch bei der Familie seines Bruders Anton
ab 26.01.1949 Krankheitsvertretung durch seinen Schüler (und späteren Professor für Moraltheologie an der Universität Graz und für Katholische Theologie an der FU Berlin) Marcel Reding
geplante Rückkehr an die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main auf eine Professur für Mittelalterliche Philosophie zum SoSe 1949

Liste: 1. Theodor Steinbüchel (Tübingen), 2. Josef Pieper (Münster), 3. Bernhard Welte (Freiburg)

Berufung durch den Hessischen Kultusminister: "Am Morgen nach der Nacht seines Hinscheidens [am 11.02.1949] rief Josef Nielen das Hessische Staatsministerium an, um Theodors Tod mitzuteilen. Betroffen und bewegt, antwortete der hohe Staatsbeamte: 'Heute liegt die Berufung Professor Steinbüchels in der Mappe des Ministers zur Unterschrift!'" (Anton Steinbüchel)
11.02.1949 überraschender Tod im Alter von nur 60 Jahren

eine Gehirnembolie macht eine Schädeloperation Steinbüchels erforderlich; diese erfolgt in der chirurgischen Klinik der Universität Tübingen, wo sich der Genesende nach einer anderen, länger aufgeschobenen OP befindet

nach der Notoperation, um 3 Uhr in der Frühe, verstirbt Steinbüchel

die letzte "Wegzehrung" reicht ihm sein Doktorand, der Tübinger Studentenpfarrer (und spätere Tübinger Professor für Moraltheologie) Dr. Alfons Auer

Text auf der Rückseite des Totenzettels: "Ich bat, und es ward mir Einsicht gegeben; ich rief und der Geist der Weisheit kam zu mir. Ich zog sie Königreichen und Thronen vor und hielt Reichtum für nichts im Vergleich zu ihr. Ich freute mich, weil mich die Weisheit leitete. Ohne Falsch habe ich sie erlernt, und neidlos teile ich sie mit und halte ihren Wert nicht geheim. Denn ein unerschöpflicher Schatz ist sie für die Menschen." (Weish. 7,7-14)
15.02.1949 Rhöndorf, 15.2.1949
Allen Familienmitgliedern des heimgegangenen Professors Theodor Steinbüchel spreche ich mein herzlichstes Beileid aus. Der viel zu frühe Tod Ihres von mir so sehr geschätzten Bruders hat mich sehr berührt; ich werde ihm ein gutes Andenken bewahren.
In aufrichtiger Teilnahme
Ihr sehr ergebener
Adenauer

Beileidsschreiben von Konrad Adenauer
Präsident des Parlamentarischen Rates
und späterer Bundeskanzler
15.02.1949 rechts: Nachruf im Programm der vhs Ulm, März 1949 - Text von Inge Scholl (Collage);
Inge Scholl, die Schwester von Sophie und Hans Scholl, war eine sehr gute Bekannte Steinbüchels

Quelle: Deutsches Institut für Erwachsenenbildung: Programmarchiv

15.02.1949 7.30 Trauer­gottesdienst in der Katholischen Stadtpfarrkirche

10.00 Akademischer Trauerakt der Universität im Festsaal der Neuen Aula

anschl. Beisetzung auf dem Tübinger Stadtfriedhof (der eigentlich für weitere Bestattungen gesperrt war)

Das ursprüngliche Grabkreuz auf dem Tübinger Stadtfriedhof "mit dem Signum des katholischen Priesters, dem Kelch des Heiles" (Anton Steinbüchel)
Das Grab Steinbüchels auf dem Tübinger Stadtfriedhof liegt - etwas versteckt - in der Nähe der letzten Ruhestätten von Carlo Schmid und Kurt-Georg Kiesinger, unweit des Grabes von Friedrich Hölderlin.
Der jetzige, schlichte Grabstein auf dem Tübinger Stadtfriedhof