Theodor Steinbüchel

Biografie Theodor Steinbüchels

Zum 125. Geburtstag am 15. Juni 2013 (Stand: 2018)

Abkürzungen

Chronik I Steinbüchel, Anton: Chronik "unter Gottesgnaden" als Geschichte meiner Familie im Wandel der Zeiten. Erster Teil, unveröff. Manuskript, o. O. o. J. [1944], 619 S.
Chronik II Steinbüchel, Anton: Chronik "unter Gottesgnaden". Zweiter Teil als Geschichte meiner Familie in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts, berichtet im Untergang des des deutschen Reiches 1944/45, unveröff. Manuskript, o. O. o. J. [1944/45, im Krieg], 341 S.
Chronik III Steinbüchel, Anton: Chronik "unter Gottesgnaden". Dritter Teil als Geschichte meiner Familie im Zeichen des Atom[s] "heller als die Sonne", unveröff. Manuskript, o. O. o. J. [1955], 244 S.

kursiv gesetzte Seitenangaben beziehen sich beim dritten Band auf das Original, normal gesetzte auf die von Martin Steinbüchel angefertigte Abschrift

Vielen Dank an Martin Steinbüchel, Enkel von Anton Steinbüchel, für die Möglichkeit zur Einsichtnahme in die Originale der Chronik, für die Überlassung einer Abschrift und für die Erlaubnis zur Veröffentlichung privater Fotos sowie an seinen Bruder Theodor Steinbüchel für die Fotografie des symbolträchtigen Straßenschildes!


Köln 1888-1908

15.06.1888 Theodor Martin Wilhelm Steinbüchel wird in der Altstadt von Köln am Rhein geboren (1857-1919: Cöln) - "unter Donner, Blitz und feierlichem Geläut der Kaiserglocke" des Domes (Chronik I, 445; die Glocke läutete allerdings wegen des Todes des deutschen Kaisers und preußischen Königs Friedrich III.)

In einem seiner letzten Vorträge nennt Steinbüchel Köln "die abendländische Metropole am Rhein".

Quelle: Steinbüchel, Theodor: Europa als Idee und geistige Verwirklichung, in: Begegnung 8 (1953) Nr. 5, 129-134 und Nr. 6, 161-168, hier 133

Der Hohe Dom zu Köln um 1900

"Nach unserer Kindermeinung gehörte der Dom zu unserer Familie wie wir zu ihm. Er war und blieb unsere Heimatkirche, auf die wir ein geborenes Anrecht zu haben glaubten. Mitten im Geviert der alten Römerstadt, gaben Dom und Domschule (ehemalige Rechtschule der alten Kölner Universität) und das Elternhaus an Unter Gottesgnaden uns Kindern das unversiegte altkölnische Gepräge. Seine Rundung erhielt es von Lebensmilieu und Lebensart der Menschen, die in den Straßen und Gäßchen um den Dom, den Altermarkt und im Rheinquartier von St. Martin wohnten." (Chronik III, 152)
15.06.1888 er erhält die preußische Staatsangehörigkeit (seit dem Wiener Kongress 1815 gehörten das Rheinland und damit auch Köln zum Königreich Preußen); Anton Steinbüchel, Theodors Bruder, spricht von einem "Mußpreußentum" (Chronik I, 105)
Das damalige Wappen der Stadt Köln
er ist das erste Kind der Kaufleute Elisabeth Steinbüchel (1859-1941), geb. Kierspel, und Martin Wilhelm Steinbüchel (1860-1933), die am 24.1.1888 geheiratet hatten

Elisabeths Eltern waren "Ackersleute" in Bergisch-Gladbach (im Bergischen Land nordöstlich von Köln gelegen), die Eltern Martins stammten aus Kölner Kaufmannsfamilien

nach dem damals geltenden preußischen Dreiklassenwahlrecht war Martin Steinbüchel ab 1891 in der III. Abteilung eingestuft, ab 1905 dann in der II.

Quelle: Bürgerrolle oder Liste der stimmfähigen Bürger der Stadt Köln 1891, Köln 1891, 140 (und folgende Bände)

Die Eltern (um 1890) (Chronik III, 151)


Das früheste erhaltene Foto aus dem Jahr 1891/92 (links: Theodors ein Jahr jüngerer Bruder Anton) (Chronik III, 236a)


das Geburtshaus "In der Höhle 29" lag in der Kölner Altstadt, in der Nähe des Gürzenich; im Volksmund wurde die schmale Gasse, eine mittelalterliche Malerstraße, "die Höll'" genannt

sie existiert noch, das Haus nicht mehr (in der Nachbarschaft, in Haus Nr. 14, wohnte 1848 Friedrich Engels, in Haus Nr. 28 der Maler Stefan Lochner)

die Eltern betrieben in Haus Nr. 29 kurzzeitig ein kleine "Leinen- und Weißwaarenhandlung" [sic] (Chronik I, 333f)

Ausschnitt aus dem Kölner Stadtplan von 1889 (roter Punkt: vermutliche Lage des Geburtshauses)

Quelle: Greven's Adreßbuch für die Stadtgemeinde Köln, umfassend Köln u. d. eingemeindeten Vororte sowie für die Umgebung, besonders Mülheim am Rhein und Kalk, Köln 1889


Ausschnitt aus dem Kölner Adressbuch von 1889; die Familie von Theodor Steinbüchel steht unter "Mart.", unter "Theod." sind die Großeltern väterlicherseits Theodor und Christine eingetragen; deren Geschäft wird Theodor Steinbüchels Vater Martin 1890 übernehmen

Quelle: Greven's Adreßbuch für die Stadtgemeinde Köln, umfassend Köln u. d. eingemeindeten Vororte sowie für die Umgebung, besonders Mülheim am Rhein und Kalk, Köln 1889, 271
30.06.1888 Taufe in der ehemaligen Abteikirche Groß St. Martin "mit geweihtem kölnischem Rheinwasser" (Chronik III, 151)


Ausschnitt aus dem Taufregister

Eintrag Nr. 53 im Taufbuch: "Steinbüchel, Theodorus Martinus Guilelmus, (dies nativ[itatis]. = Geburtstag) 15/6, (dies bapt[izationis]. = Tauftag) 30/6, (Parentes = Eltern) Martinus Guilelmus Steinbüchel [et] Elisabeth Kierspel, (Patrini = Paten) Theodor Steinbüchel [et] Gertr[ud]. Kierspel"

Quelle: Taufen von Groß St. Martin aus dem Zeitraum 1869-1901, Historisches Archiv des Erzbistums Köln, Sign. AEK, KB 250

Stammbaum Theodor Steinbüchels
Mai / Juni 1890

Foto: Theodor Steinbüchel (Enkel von Anton Steinbüchel)

Umzug der Familie aus der "Höll'" "unter Gottesgnaden", wo die Eltern die Wohnung und das Familienunterneh­men, ein Geschäft für Leinen- und Manufak­turwaren, "bes. Arbeiterkleider", von Martin Steinbüchels Eltern Christine und Theodor übernehmen

die Familie gehört nun zur Dompfarrei

hier, im "Schatten der Domtürme", wächst Theodor Steinbüchel im liberalen kölschen katholischen Milieu und in wirtschaftlich einfachen, aber auskömmlichen, kleinbürgerlichen Verhältnissen auf

er verlebt eine glückliche Kindheit und Jugend in der Friedenszeit zwischen 1871 und 1914 (Chronik I, 237, 334, 397, 405, 525, 558)

'Unter Gottesgnaden 2' um 1900 (gemalt von Anton Steinbüchels Tochter Maresi)


'Unter Gottesgnaden 2' (1939), als nach dem Verkauf an die Stadt Köln der Abriss bevorstand
ein Foto aus besseren Tagen: 1922 übernahmen Anton und Käthe Steinbüchel das Kölner Traditionsgeschäft
das vordere kleine, ältere Eckhaus lag an der Ecke "Unter Gottesgnaden" / "Gr. Neugasse", das später angebaute höhere Haus, das mit dem älteren verbunden war, lag an der Ecke "Gr. Neugasse" / "Bechergasse"; der (hier wohl kurz bevorstehende) Abriss erfolgte 1939, während des Krieges, für eine Straßenerweiterung
rechts: Ausschnitt aus dem Kölner Adressbuch von 1891

Quelle: Greven's Adreßbuch für die Stadtgemeinde Köln, umfassend Köln u. d. eingemeindeten Vororte sowie für die Umgebung, besonders Mülheim am Rhein und Kalk, Köln 1892, 312
Ostern 1894 Einschulung in die Katholische Volksschule der Kölner Dompfarre und der St. Andreas Gemeinde, kurz: "Domschule", Adresse: An der Rechtschule 8

Theodor besucht hier die erste bis vierte Klasse


Kölner Schulwesen (Ausschnitt aus dem Kölner Adressbuch von 1894, XXXVIII, siehe unterster Eintrag)

er besteht nach dem vierten Schuljahr die "Sextanerprüfung", die Aufnahmeprüfung für die höheren Schulen (Chronik I, 370, vgl. 367)

Die "Domschule"


Anton und Theodor Steinbüchel (1896) (Chronik III, 236a)

"Theodor Steinbüchel war schon in der Volksschule kein schlechter Schüler." (Chronik III, 154)

"Unsere Eltern hatten in der Auswahl für uns richtiger Bücher eine glückliche Hand. Kein Weihnachtsfest oder Namenstag verging, an dem nicht auch ein gutes Buch zu den Geschenken gehörte." (Chronik I, 449)
1899 Theodor wird nach der Ersten Heiligen Kommunion "Kölner Dom-Messjunge" (Chronik I, 153) "Es braucht eigentlich nicht betont zu werden, dass alle Sonn- und Feiertage mit dem Besuch des Gottesdienstes im Dom begannen. Auch alle Familienfeiertage, Geburts- und Namensfeste, und die an unsere Toten erinnernden Gedenktage wurden mit dem Herrgott begonnen." (Chronik I, 409)
Ostern 1899 Einschulung als Sextaner am renommierten humanistischen "Königlichen Katholischen Gymnasium an Marzellen" (kurz: Marzellengymnasium, Adresse: Marzellenstr. 13) (seit 1860; vormals Bursa Cucana [1450], dann Bursa nova trium coronarum, auch Gymnasium trium coronarum oder einfach Tricoronatum [1552], ab 1911 dann Dreikönigsgymnasium


Siegelmarke des Marzellengymnasiums

Marzellengymnasium (Stich von 1836)

Rektoren während der Gymnasialzeit Theodor Steinbüchels: Heinrich Milz (1884-1901), Martin Wetzel (1901-1902) und Georg Wesener (1903-1912)

Quelle: Klinkenberg, Jos.: Zur Geschichte des Marzellengymnasiums, in: ders. (Hrsg.): Das Marzellen Gymnasium in Köln 1450-1911. Bilder aus seiner Geschichte. Festschrift dem Gymnasium anlässlich seiner Übersiedelung gewidmet von den ehemaligen Schülern, Köln 1911, 11-12.

Nach Meinung des Vaters sollte Theodor die Realschule besuchen, um anschließend Kaufmann zu werden. "Gerade noch früh genug ließ sich der Vater von seinem Sippenvetter, Justizrat und Notar Dr. Stephan Fröhlich, belehren, dass eine gute humanistische Grundlage für den gewiß doch begabten Jungen nützlicher sei und zu höheren als kaufmännischen Zielen führen werde." (Chronik III, 154)
Als sich Theodor einmal bei einem Familienbesuch in Bergisch-Gladbach wider ausdrückliches Verbot am Aufsammeln von Kohleresten in der Bensberg-Gladbacher Zinkhütte beteiligte, wurde er von seiner sehr auf Reputation haltenden Tante Agnes Kierspel zur Strafe "verdroschen". "So litt der Knabe Theodor schon früh für seinen bewiesenen tatkräftigen Sozialismus, bei dem er vermeintlichen Proletarierkinden durch das Auflesen abfallender Kohleschlacken die wirtschaftliche Lage zu verbessern trachtete. Kein Wunder, dass er später mit Erfolg die sittliche Idee aus dem Sozialismus herauslas und sie zu einem Hauptthema seiner akademischen Lehrtätigkeit erhob!" (Chronik I, 608f)
1902
Familienfoto von 1902 - v.l.n.r.: Vater Martin, Christine, Theodor, Maria, Helene, Anton, Mutter Elisabeth (Foto: Fritz Eilender, Köln)

der Quartaner erhält ein vom deutschen Kaiser und König von Preußen, Wilhelm II., gestiftetes Diplom für die Klassenbesten aller preußischen Gymnasien, das an das 200-jährige Bestehen Preußens als Königreich erinnern sollte (Chronik I, 371, III, 154)

Steinbüchel ist "wiederholt Klassenprimus" (Chronik I, 371)

"[...] mein Bruder Theodor (wußte) schon als Quartaner [...], daß er 'vielleicht' einmal Priester werden wollte: 'aber kein gewöhnlicher, sondern ein Religionslehrer oder »sowas«!'"
(Chronik III, 155)
16.03.1908 Abitur - Note: genügend bis gut

Abiturarbeiten vom 20.-23.1. in den Fächern Mathematik, Deutsch, Griechisch und Latein

Historisches Archiv der Stadt Köln, Bestand 560, Nr. 1740-1743

anschließend 14-tägige Reise mit dem Vater an den Vierwaldstättersee (Chronik III, 157)

Kölner Schulwesen (Ausschnitt aus dem Kölner Adressbuch von 1899, 46)

Quelle: Greven's Adreßbuch für die Stadtgemeinde Köln, umfassend Köln u. d. eingemeindeten Vororte sowie für die Umgebung, besonders Mülheim am Rhein und Kalk, Köln 1899

Bonn 1908-1910

1908 Befreiung vom Militärdienst "Katholische Theologiestudenten waren seit Ende des Kulturkampfes der siebziger Jahre in Preußen-Deutschland vom Militärdienst befreit." (Chronik I, 548)
Sommer-Halbjahr 1908 - Winter-Halbjahr 1909/10

Quelle: Amtliches Personal-Verzeichnis der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn für das Sommer-Halbjahr 1908, Bonn 1908, 83

Studium der Katholischen Theologie und Philosophie an der "Königlich Preußischen Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität" (4 Semester)

Immatrikulation am 30.04.1908 (laut Amtlichem Personal-Verzeichnis, s. o.) und Inskription am 02.05.1908 (laut Fakultätsalbum, s. u.)


Quelle: Album der Katholisch-theologischen Fakultät 1901-1927: Sommersemester 1908 (Archiv der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Bonn, Sign. AKTFUB), lfd. Nr. 26

Eintritt als Seminarist in das Erzbischöfliche Theologenkonvikt "Leoninum" (Adresse: Am Alten Friedhof 13)
SoSe 1909 Eintritt als Seminarist in das Erzbischöfliche Theologenkonvikt "Collegium Albertinum Bonense" (Adresse: Coblenzer Str. 19)
Collegium Albertinum Bonense
1909 rechts: Theodor Steinbüchel als junger Student mit seinem Bruder Anton (rechts im Bild) (Chronik III, 156)

Straßburg 1910-1911

Winter-Halbjahr 1910/11 - Herbst 1911 Fortsetzung des Studiums mit den Schwerpunkten Philosophie, Geschichte und Nationalökonomie an der "Kaiser Wilhelms-Universität zu Straßburg i. Els." (3 Semester):

er besucht bei Prof. Dr. Clemens Baeumker (1853-1924) u. a. die Kant-Vorlesung, das dreisemestrige Seminar über die "Kritik der reinen Vernunft" sowie die Vorlesungen über Metaphysik

Quelle: Steinbüchel, Theodor: Der Zweckgedanke in der Philosophie des Thomas von Aquino. Nach den Quellen dargestellt. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde Einer Hohen Philosophischen Fakultät der Kaiser Wilhelms-Universität zu Straßburg i. Els., Münster 1912, 72, sowie ders.: Clemens Baeumker †, in: BZThS 2 (1925) 87-93, hier 90f

Steinbüchel bezeichnet sich auch als "Schüler" des späteren Münchener Erzbischofs Michael Kardinal von Faulhaber (1869-1952), der 1903 bis 1910 in Straßburg Altes Testament lehrt

Quelle: Brief Steinbüchels an Erzbischof Joseph Kardinal Schulte vom 4.7.1935, Archiv des Erzbistums München und Freising, München. Nachlass Kardinal Michael von Faulhaber. Akt 5892

Straßburger Münster (Postkarte)

Adresse: St. Stephansplan, in der Nähe des Münsters; dort wohnte er zusammen mit einer Schwester und Brüdern von Hubert von Lassaulx (im Plan [Link anklicken]: G6)

Quelle: Brief von Hubert von Lassaulx an Helene Stollenwerk vom 14.2.1949

Straßburg ist zu dieser Zeit (1871-1918) die Hauptstadt des deutschen "Reichslandes Elsaß-Lothringen"
31.10.(oder 01.11.)1910 Eintritt in die farbentragende, nichtschlagende Katholische Deutsche Studentenverbindung "K.D.St.V. Badenia zu Straßburg" im CV (Cartellverband = Zusammenschluss katholischer deutscher Studentenverbindungen)

Quelle: Mitgliederalbum, Bd. 1 (von 1882-1912), 482

er gehört ihr an bis zu deren Verbot durch den "Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei" Heinrich Himmler am 20.06.1938

Quelle: Brief von Ansgar Melcher an Andreas Lienkamp vom 10.5.1998


Wappen der K.D.St.V. Badenia im CV

Quelle: 75 Jahre Badenia 1882 - 1957. Festschrift zum 75. Stiftungsfest, Oberursel 1957, 1


Quelle: 75 Jahre Badenia 1882 - 1957. Festschrift zum 75. Stiftungsfest, Oberursel 1957, 60

weitere Mitglieder waren Steinbüchels philosophischer Doktorvater Clemens Baeumker, der spätere Reichskanzler Heinrich Brüning, außerdem aus Steinbüchels späterem Frankfurter Kreis der Studentenseelsorger Josef Maria Nielen sowie der Chefredakteur der linkskatholischen RMV, Heinrich Scharp
31.07.1911 Promotion zum Dr. phil. an der Hohen Philosophischen Fakultät beim Philosophiehistoriker Prof. Dr. Clemens Baeumker (1853-1924)

Dissertation "Der Zweckgedanke in der Philosophie des Thomas von Aquino" vom 29.07.1911, Rigorosum: magna cum laude

Quelle: Autographes Curriculum vitae, Archiv der Katholisch-theologischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Sign. III Fakultät (Persönliches) / 7 Habilitationen (Spezielles), Fasz. 3

Titelblatt der ersten, philosophischen Dissertation

Bonn 1911-1912

Winter-Halbjahr 1911/12 bis Sommer-Halbjahr 1912 Fortsetzung des Studiums der Katholischen Theologie (2 Semester), Immatrikulation am 5.10.1911

Quelle: Amtliches Personal-Verzeichnis der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn [...] für das Winter-Halbjahr 1911/12, Bonn 1911, 100

Seminarist im erzbischöflichen Theologenkonvikt "Collegium Albertinum"

Erkennungskarte der Universität Bonn (Vorderseite)

Quelle: Archiv der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Ende Aug. 1912 Theologisches Abschlussexamen mit sehr guten Leistungen in nahezu allen Fächern

Quelle: Borengässer, Norbert / Stamer, Lambert: Theodor Steinbüchel, in: Unitas Handbuch V, hrsg. von Wolfgang Burr, Bonn 2005, 209-220, hier 209f.

Erkennungskarte der Universität Bonn (Rückseite)
28.08.1912 Exmatrikulation (lt. Abgangs-Zeugnis vom 28.08.)

Köln 1912-1913

1912 Eintritt ins Erzbischöfliche Priesterseminar zu Köln (Adresse: Marzellenstr. 32)

Steinbüchels Köln

Quelle: Greven's Adreßbuch für die Stadtgemeinde Köln, umfassend Köln u. d. eingemeindeten Vororte sowie für die Umgebung, besonders Mülheim am Rhein und Kalk, Köln 1888 (Ausschnitt aus Stadtplan III. Köln-Mitte)
21.12.1912 Tonsur und niedere Weihen
15.02.1913 Weihe zum Subdiakon
17.05.1913 Weihe zum Diakon
Quelle zu den der Priesterweihe vorausgehenden Weihen: Borengässer, Norbert / Stamer, Lambert: Theodor Steinbüchel, in: Unitas Handbuch V, hrsg. von Wolfgang Burr, Bonn 2005, 209-220, hier 209f.
10.08.1913 Priesterweihe in der ehem. Jesuitenkirche und seiner alten Gymnasialkirche St. Mariä Himmelfahrt (Marzellenstraße) durch Erzbischof Felix von Hartmann (1851-1919) (Chronik III, 159)

während der bis zum Wiener Kongress dauernden französischen Besatzung war die Kirche "Tempel der Vernunft"

St. Mariä Himmelfahrt (Marzellenstraße)
17.08.1913 Primiz im Kölner Dom, seiner Heimatgemeinde (Chronik III, 159)

Gravur auf der Unterseite des Kelchs: "Nepoti dilecto R.D.Dri Theod. Steinbüchel in piam mem[oriam]. s[ancti]. ordinis Presbyteratus suscepti die 10. Aug. 1913 d[icto].d[ie]. Helena Kierspel" (Dem geliebten Neffen, dem hochwürdigen Herrn Dr. Theodor Steinbüchel in liebevoller Erinnerung an die heilige Priesterweihe, empfangen am 10. August 1913, am genannten Tag, Helena Kierspel [= Helene, die unverheiratete, im Haushalt von Theodors Eltern lebende Schwester der Mutter])

Primizkelch Theodor Steinbüchels


gefertigt von "A[lois]. Kreiten Köln, kgl.-rum[änischer]. Hofgoldschmied"

Düsseldorf 1913-1915

22.08.1913 bis 30.05.1915 dritter Kaplan an St. Apollinaris, einer damals jungen Arbeiter- und Industriepfarre im Stadtteil Oberbilk (Lessingplatz), Rektoratsgemeinde der Pfarre St. Joseph, und aushilfsweise Tätigkeit als Religionslehrer

Quelle: Steinbüchel, Theodor: Handschriftlich ausgefüllter "Vormerkungsbogen" der Universität München (masch. Abschrift vom 22.1.1937), beide: Universitätsarchiv Tübingen, Sign. 126/655



Quelle: Adreßbuch 1914 für die Stadtgemeinde Düsseldorf und die Bürgermeistereien Benrath, Erkrath und Kaiserswerth, Düsseldorf 1914, I. Teil: 67, II. Teil: 554

Adresse: Ellerstr. 100, 1. Etage


St. Apollinaris, Düsseldorf-Oberbilk
1913 zur Ersatzreserve II gemustert
Quelle: Steinbüchel, Theodor: Handschriftlich ausgefüllter Personalbogen der Universität München, Universitätsarchiv Tübingen, Sign. 126/655
28.07.1914 Beginn des Ersten Weltkriegs - Kriegseintritt des Deutschen Kaiserreichs am 1.8.1914
1914-1918 Lazarettseelsorger während des Ersten Weltkrieges in Düsseldorf und Oberkassel bei Bonn (Verdienstkreuz für Kriegshilfe, verliehen am 19.12.1919); vom Militärdienst als katholischer Geistlicher befreit
Quelle: Steinbüchel, Theodor: Handschriftlich ausgefüllter Personalbogen der Universität München, Universitätsarchiv Tübingen, Sign. 126/655

Oberkassel bei Bonn 1915-1920

31.05.1915 bis 28.05.1920 Vikar an St. Cäcilia in Oberkassel (bei Bonn), Dekanat Königswinter, und Religionslehrer

als "roter Kaplan" abgetan

Quelle: Häring, Bernhard: Meine Erfahrung mit der Kirche, Freiburg-Basel-Wien 31989, 19

St. Cäcilia, Oberkassel
"Der Begriff und die Bezeichnung 'roter Pastor' oder 'roter Kaplan' wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts von konservativen Katholiken, besonders aus Unternehmerkreisen, als Spott- und Schimpfname gegen jenen Teil des katholischen Klerus geprägt, der sich innerhalb der christlich-sozialen Bewegung sozialreformerisch zugunsten der Arbeiterschaft einsetzte."

Quelle: Kreppel, Klaus: Wilhelm Hohoff - der "rote Pastor" und die katholischen Sozialisten, in: Ewald, Günter (Hrsg.): Religiöser Sozialismus, Stuttgart-Berlin-Köln-Mainz 1977, 79-90, hier 79
1916 auf Anraten von Joseph Joos (1878-1965) erste Lektüre der Schriften des Priesters und Marx-Kenners Wilhelm Hohoff (1848-1923), der bereits in den 1870er Jahren den Dialog mit dem Sozialismus aufgenommen hatte

einer seiner viel zitierten Sätze ist die Erwiderung auf August Bebel: "[...] nicht Christentum und Sozialismus, sondern Kapitalismus und Christentum (stehen) sich einander gegenüber[...] wie Wasser und Feuer."

Quelle: Hohoff, Wilhelm: Karl Marx und der Materialismus, in: KKZ Nr. 51 vom 20.12.1919, 525-528, und Nr. 52 vom 27.12.1919, 538-541, hier 539

Steinbüchel bezeichnet sich selbst - in einem undatierten, zwischen August und Dezember 1918 verfassten Brief an Hohoff - als dessen Schüler

erste Seite des ersten erhaltenen Briefs Steinbüchels an Wilhelm Hohoff vom 16.05.1918 (das letzte überlieferte Schreiben datiert vom 11.06.1920)

Quelle: Nachlass Wilhelm Hohoff im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, Sign. 2; der gesamte Briefwechsel ist abgedruckt in: Lienkamp: Theodor Steinbüchels Sozialismusrezeption, Paderborn u. a. 2000, 725-731
1917 - 1921 Steinbüchel veröffentlicht insgesamt 15 Artikel in der Zeitschrift "Deutsche Arbeit", hrsg. vom Gesamtverband der christlichen Gewerkschaften, Berlin-Wilmersdorf

"Die 'Deutsche Arbeit' ist das wissenschaftliche Organ der christlich-nationalen Arbeiterbewegung. Sie ist anerkanntermaßen die in ihrer Art beste sozial-politische Zeitschrift Deutschlands."

Quelle: Werbung auf dem hinteren Einband von Brauer, Theodor: Christentum und Sozialismus, Köln 1920

Juli 1918 Steinbüchels erster Sozialismus-Artikel erscheint in der "Deutsche[n] Arbeit" unter dem Pseudonym 'Paul August'. Dazu schreibt er an Wilhelm Hohoff:

"Sehr verehrter Herr Pastor!
Mit gleicher Post geht Ihnen mein Artikel im Juliheft der Deutschen Arbeit als Drucksache zu. Er trägt pseudonyme Autorschaft: Paul August. Das war dringend geboten im Interesse der Sache. Betrachten Sie es bitte nicht als Feigheit. Ich kann Ihnen nur mündlich darüber berichten. Der Artikel gibt Ihnen einen Querschnitt durch meine, der Vollendg. zuschreitende Arbeit. [...] Bitte wahren Sie über meine Autorschaft des Juliartikels strenge Verschwiegenheit. Es ist ganz sicher notwendig! Vielleicht verstehen Sie mich [auch?] jetzt schon!
Ich grüße Sie als Ihr Schüler und Confrater in dankbarer Verehrung!
Dr. Steinbüchel."

Quelle: Nachlass Wilhelm Hohoff im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, Sign. 2

Es handelt sich offenbar um einen Testlauf, um zu sehen, wie insbesondere kirchliche Kreise seine theologische Dissertation "Der Sozialismus als sittliche Idee" aufnehmen würden.
11.11.1918 Ende des Ersten Weltkriegs
Als seine Schwägerin Katharina "Käthe" Steinbüchel, geb. Schüll (1891-1920), schwer erkrankt, nimmt er seinen Neffen Heinz (*1915) für längere Zeit bei sich auf (Chronik II, 34f, 59f).
April 1919 (vergebliche) Bemühungen von Jakob Kaiser (1888-1961) und Christine Teusch (1888-1968), Steinbüchel zu einer Professur an der im gleichen Jahr wiedereröffneten "Universität zu Köln" zu verhelfen

Quelle: Brief von Jakob Kaiser an Theodor Steinbüchel vom 5.4.1919, Nachlass Theodor Steinbüchel, Mappe 44 (Rückseite einer Predigt)
Mai 1919 Abgabe der theologischen Dissertation bei der Bonner Fakultät: "Der Sozialismus als sittliche Idee. Mit besonderer Berücksichtigung seiner Beziehungen zur christlichen Ethik"

Quelle: Brief Theodor Steinbüchels an Wilhelm Hohoff vom 7.9.1919, Nachlass Wilhelm Hohoff im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, Sign. 2

Erstgutachter: Prof. Dr. Fritz Tillmann (Moraltheologe und Rektor der Universität), Zweitgutachter: Prof. Dr. Arnold Rademacher (Fundamentaltheologe und Dekan der Katholisch-theologischen Fakultät)

Bonn 1920-1926

1920 die Eltern übernehmen den Wäschegroßhandel Wachendorff & Dietz, eine Firma, für die Steinbüchels Vater zuvor schon gearbeitet hatte und deren Briefbögen Steinbüchel als Konzeptpapier für seine Vorträge und Veröffentlichungen aufbrauchte
29.05.1920 bis 01.04.1923 Repetent für die Theologiestudenten am erzbischöflichen Theologenkonvikt "Collegium Albertinum" (auf Wunsch des Erzbischofs Joseph Kardinal Schulte) und Rendant der beiden Konvikte, also des "Albertinum" und des "Leoninum"

Quelle: Brief von Rektor Meyer, Historisches Archiv des Erzbistums Köln, an Andreas Lienkamp vom 13.3.1992 (lt. Personalbogen)

Eintrag auf der Promotionsurkunde: "Collegii Albertini Bonensis Repetitorem"

Quelle: Archiv der Katholisch-theologischen Fakutltät Bonn, Sign. III/9.29
Mai 1920 (vergebliche) Bemühungen um die Professur für Christliche Gesellschaftslehre an der Bonner Fakultät

Quelle: Brief von Theodor Steinbüchel an Wilhelm Hohoff vom 17.5.1920, Nachlass Wilhelm Hohoff im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, Sign. 2
02.07.1920 Promotion zum Dr. theol. an der Katholisch-theologischen Fakultät

Dissertation: "summa diligentia eruditione sagacitate" (von höchster Sorgfalt / Gründlichkeit, Gelehrsamkeit und Klugheit), Rigorosum: "summa cum laude"

Quelle: Archiv der Katholisch-theologischen Fakutltät Bonn, Sign. III/9.29

Promotionsurkunde
Anfang Sept. 1920 zweitägiger Besuch der Brüder Anton und Theodor Steinbüchel sowie Wilhelm Sobotas bei Wilhelm Hohoff in Paderborn

Anton Steinbüchel spricht anschließend von den beiden "unvergeßlichen" Paderbomer Tagen

Quelle: Brief Anton Steinbüchels an Wilhelm Hohoff vom 20.9.1920, Nachlass Wilhelm Hohoff

"Hohoff war sichtlich erfreut und bewegt über die positiven Resultate Steinbüchels und dankte nachher Prof. Dr. Tillmann, Bonn, wärmstens, daß er der Wissenschaft das große Opfer gebracht habe, die Widerstände größter Art zu beseitigen, die sich damals dem segensreichen Wirken Steinbüchels in den Weg stellten."

Quelle: Sobota, Wilhelm: Ein katholisch-sozialistisches Priesterleben. Zu Wilhelm Hoboffs 100. Geburtstag und 25. Todestag, in: Geist und Tat 3 (1948) 309-312, hier 310
an Hohoffs Haus am Gierswall 24 wurde an seinem 50. Todestag folgende Inschrift angebracht:

"In diesem Hause
wohnte von 1905-1923
der katholische Priester
Wilhelm Rudolf Hohoff
* 9.2.1848 in Medebach
† 10.2.1923 in Paderborn
Klassiker der modernen
christlichen Kapitalkritik
Begründer des Dialogs
zwischen Christen und Marxisten
Bedeutender Theoretiker des
Christlichen Sozialismus"

Quelle: Staudinger, Hugo: Kampf um einen Toten, in: Fragezeichen. Bildungspolitische Zeitschrift 6 (1972/73) Nr. 5/6, 4-5, hier 5

Hohoffs Position ist hier gut getroffen, allerdings ist sein Ansatz von dem antisozialistischen "christlichen Sozialismus" eines Heinrich Pesch, Max Scheler u. a. zu unterscheiden
16.08.1921 (Datum des Vorworts) Veröffentlichung der theologischen Dissertation als Band 1 der von Fritz Tillmann begründeten Reihe "Abhandlungen aus Ethik und Moral" (das Imprimatur des Kölner Generalvikars Dr. Joseph Vogt, der 1931 der erste Aachener Bischof wurde, datiert vom 11.8.1921)
Einband der zweiten, theologischen Dissertation
Autographe Widmung Steinbüchels im Exemplar des "Sozialismus als sittliche Idee", das er seinen Eltern geschenkt hat (Original im Familienbesitz).
"Meinen lieben Eltern in Dankbarkeit überreicht."
19.12.1921 Abgabe der (verschollenen) Habilitationsschrift: "Die Wirtschaft in ihrem Verhältnis zum sittlichen Werte. Ein Beitrag zur ethischen Werttheorie vom Standpunkt christlicher Ethik"

Steinbüchel erhält die venia legendi für Moral und Christliche Gesellschaftslehre (einstimmiger Beschluss)

Quelle: Bericht der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Bonn an das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 15.3.1922 (Auszug), Archiv der Katholisch-theologischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Sign. III Fakultät (Persönliches) / 7 Habilitationen (Spezielles), Fasz. 3

die Schrift sollte - wie die theologische Dissertation - in der Reihe "Abhandlungen aus Ethik und Moral" gegen Ende 1922 veröffentlicht werden; angekündigt unter dem Titel: "Die Wirtschaft als ethische Aufgabe" - "Wegen Inflation nicht erschienen." (Chronik III, 159): Anton Steinbüchel spricht an anderer Stelle von der "erbarmungslosen Inflation in den Jahren nach dem unseligen Krieg" (Chronik I, 290)


"Auf Grund des Referates des H. Fr. Tillmann über 'Die Wirtschaft in ihrem Verhältnis zum sittlichen Wert' von Dr. Steinbüchel stelle ich den Antrag, die Fakultät wolle die Arbeit als Habilitationsschrift annehmen und Dr. Steinbüchel zu den weiteren Habilitationsleistungen zulassen."

Quelle: Archiv der Katholisch-theologischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Sign. III Fakultät (Persönliches) / 7 Habilitationen (Spezielles), Fasz. 3


Ankündigung der Habilitationsschrift auf der Rückseite der theologischen Dissertation Steinbüchels (siehe ganz unten)
21.02.1922 Probevorlesung über "Kants Kritik am Lohngedanken und ihr Verhältnis zur christlichen Ethik": "Der Vortrag war nach Inhalt und Form eine ausgezeichnete Leistung und fand den ungeteilten Beifall der Fakultät. Das darin bekundete Lehrtalent und die besondere Gabe, auch eine schwierige Materie klar und durchsichtig darzustellen, lassen für die künftige akademische Tätigkeit das Beste erwarten."

Quelle: Bericht der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Bonn an das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung vom 15.3.1922 (Auszug), Archiv der Katholisch-theologischen Fakultät der Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Sign. III Fakultät (Persönliches) / 7 Habilitationen (Spezielles), Fasz. 3
Dozent an der Bibliotheksschule des Borromäus-Vereins (Borromäushaus am Wittelsbacherring 9, Gründung 16.4.1921)
auf Platz drei der Vorschlagsliste der Münsteraner Katholisch-theologischen Fakultät für die Professur für Christliche Gesellschaftslehre (Nachfolge Franz Hitze)
25.02.1922 Assistent am moraltheologischen Seminar auf Wunsch seines Erzbischofs
Ende WiSe 1921/22 Habilitation für das Fach der Moraltheologie und der christlichen Gesellschaftslehre
26.04.1922 Öffentliche Antrittsvorlesung zur Vollziehung seiner Habilitation in der Katholisch-theologischen Fakultät: "Individualistische und universalistische Lebenswertung"
01.04.1922 bis 31.03.1926 außerplanmäßiger, besoldeter Assistent am moraltheologischen Seminar Adressen: erst Coblenzer Str. 19 (= Albertinum, Amtliches Personalverzeichnis der Universität Bonn für das SoSe 1922, 6), dann Weberstr. 13 (Vorlesungsverzeichnis der Universität Bonn für das WiSe 1923/24, 88) und anschließend Weberstr. 84 (Vorlesungsverzeichnis der Universität Bonn für das WiSe 1924/25, 86)
26.04.1922 bis 31.03.1926 Privatdozent an der Universität Bonn Quelle: Personalverzeichnis für das Winterhalbjahr 1922/23 und Vorlesungsverzeichnis für das Sommerhalbjahr 1923 der Rheinischen Friedrich Wilhelms Universität zu Bonn ..., Bonn o. J.
Der "Tillmann-Kreis" (neben Fritz Tillmann gehörten dazu vor allem die Privatdozenten Theodor "Dores" Steinbüchel und Theodor "Döres" Müncker) ist "die Vorhut für eine den drängenden Zeitproblemen aufgeschlossene katholische Moraltheologie und hat manchen überalterten, erstarrten Begriffen und Ansichten mutig und verantwortungsbewußt neuen Inhalt und neue Richtung gegeben." (Chronik III, 160)
1924 Gründung der "Bonner Zeitschrift für Theologie und Seelsorge" durch die Bonner Katholisch-theologische Fakultät: Tillmann - einer der Initiatoren - überträgt Steinbüchel die philosophische Sektion (zugleich ein wichtiges Publikationsorgan für ihn)

Frankfurt am Main 1924-1926

01.10.1924 bis 31.03.1926 parallel: beauftragte Lehrkraft an der "Johann-Wolfgang-Goethe Stiftungsuniversität", die keine Katholisch-theologische Fakultät besaß: "Vorlesungen auf dem Gebiete der katholischen Weltanschauung"

gleichzeitig Lehrauftrag in Göttingen

Quelle: Katholisch-theologische Fakultät der Universität Tübingen: Vorschläge zur Besetzung der Professur für scholastische Philosophie und Apologetik an das akademische Rektoramt der Universität Tübingen, Tübingen 4.3.1925, 3, Universitätsarchiv Tübingen, Sign. 126/651 (allerdings finden sich in den Vorlesungsverzeichnissen der Universität Göttingen aus dieser Zeit keine Angaben)


Nach Karl Prümm war Frankfurt in den 1920er Jahren "die sicherlich neben Berlin bedeutendste intellektuelle Metropole Deutschlands".

Quelle: Prümm, Karl: Einleitung, in: Dirks, Walter: Republik als Aufgabe. Publizistik 1921-1933 (GS 1), Zürich 1991, 11-30, 17

Quelle: Universität Frankfurt a.M.: Verzeichnis der Vorlesungen. Winter-Halbjahr 1925/26 und Personalverzeichnis, Frankfurt a.M. 1925, 11


Quelle: Universität Frankfurt a.M.: Verzeichnis der Vorlesungen. Sommer-Halbjahr
1926 und Personalverzeichnis, Frankfurt a.M. 1926, 41
Referent bei den Werkwochen auf Burg Rothenfels

Quelle: Binkowski, Johannes: Jugend als Wegbereiter. Geschichte des Quickborn von 1909-1945, Stuttgart 1981, 121




Café Laumer im Frankfurter Westend
wöchentlicher Gesprächskreis im Café Laumer (Bockenheimer Landstr. 67) mit Ernst Michel (Leiter der gewerkschaftlichen "Akademie der Arbeit"), Alois Eckert (Frankfurter Stadtpfarrer), Josef Maria Nielen (Studentenpfarrer) sowie den Redakteuren der linkskatholischen "Rhein-Mainischen Volkszeitung" (RMV) Werner Thormann, Heinrich Scharp und Walter Dirks, den "roten Buben vom Liebfrauenberg" (Redaktionsanschrift: Liebfrauenberg 37)

"Mittwochkreis": "Theodor Steinbüchel kam selbst aus Gießen gelegentlich zu diesem Kreis. Paul Tillich und Martin Buber gehörten dazu und die Redakteure der RMV, die alle auch im Friedensbund Deutscher Katholiken mitarbeiteten. Gelegentlich stieß auch der Exponent des republikanischen Flügels in der Zentrumspartei, Reichskanzler a.D. Josef Wirth, dazu" (Bruno Lowitsch); auch Max Horkheimer und Theodor W. Adorno gehörten diesem erweiterten Kreis an
1924 bis 1932
Steinbüchel schreibt mindestens 44 Beiträge für die in Frankfurt gedruckte, aber überregional erscheinende RMV
März 1925 Steinbüchel wird auf den (geteilten) zweiten Platz der Vorschlagsliste der Tübinger Katholisch-theologischen Fakultät für die Neubesetzung des Ordinariates für scholastische Philosophie und Apologetik gesetzt. Berufen wird der auf Platz 1 gesetzte Paul Simon mit Wirkung vom 1. April 1925.

Quelle: Katholisch-theologische Fakultätder Universität Tübingen: Vorschläge zur Besetzung der Professur für scholastische Philosophie und Apologetik an das akademische Rektoramt der Universität Tübingen, Tübingen 4.3.1925, Universitätsarchiv Tübingen, Sign. 126/651


Gießen 1926-1935

01.04.1926 planmäßiger beamteter ao. Professor für Philosophie, anfangs: "auf katholischer Grundlage" (ab SoSe 1929 durch Verfügung weggefallen) an der "Hessischen Ludwigs-Universität zu Gießen"

"Jahre der intensivsten Beschäftigung mit Marx"

Quelle: Dirks, Walter: Vergessene Brückenschläge. Das Gespräch mit dem Sozialismus 1918-1933 [1960], in: ders.: Das schmutzige Geschäft? Die Politik und die Verantwortung der Christen, Olten-Freiburg 1964, 233-240, hier 237


Adresse: Südanlage 23
Platzierung der Veranstaltungen Steinbüchels im Vorlesungsverzeichnis nicht bei der Philosophischen Fakultät, sondern zwischen dem Lehrangebot der Landwirtschaft und den Kursen für Studierende aller Fakultäten - ein Affront!

Quelle: Vorlesungsverzeichnis der Hessischen Ludwigs-Universität zu Giessen für das Winter-Semester 1926/27, Gießen 1926, 27
1926 bis 1933 Mitglied des "Deutschen Republikanischen Lehrerbundes an Volks-, höheren und Hochschulen", ein (sozialdemokratisch dominierter, aber überparteilicher) Zusammenschluss von Universitätsprofessoren und Lehrern, "die loyal zur Demokratie und fest zur Weimarer Reichsverfassung standen" (Andreas Mühling)
Hausgeistlicher am St. Josef Krankenhaus Adresse des Krankenhauses: Liebigstr. 24
Prediger der sonntäglichen Spätmessen in St. Bonifatius

Adresse der Gemeinde: Liebigstr. 30
1927/1928
Steinbüchels persönliches, gestempeltes Exemplar der MEGA 1,1,1 von 1927

Bereits im Januar 1928 erscheint in der Literarischen Beilage der RMV aus der Feder Steinbüchels eine umfangreiche Besprechung der ersten Lieferung der MEGA, der ersten, unvollendet gebliebenen historisch-kritischen Gesamtausgabe der Werke von Karl Marx und Friedrich Engels.

Quelle: Steinbüchel, Theodor: Karl Marx - Friedrich Engels. Historisch-kritische Gesamtausgabe. Werke, Schriften, Briefe. Im Auftrage des Marx-Engels-Instituts, Moskau, herausgegeben von D. Rjazanov. Marx-Engels-Archiv-Verlagsgesellschaft. Frankfurt a. M. 1927. I. Band, 1. Halbband, in: Buch und Zeitschrift. Literarische Beilage der RMV Nr. 1, Jan. 1928, 2
31.01.1927 Gesprächsabend mit PD Bernhard Rosenmöller bei Karl Barth in Münster: "Letzten Montag hatte ich einen sehr guten Abend mit dem katholischen Religionsphilosophen Steinbüchel aus Gießen und seinem hiesigen Kollegen, dem Privatdozenten Rosenmöller, über Vernunft und Offenbarung, über Trinität und Christologie und Kirche, ein Gespräch, wie man es eben weit und breit mit keinem evangelischen Theologen führen könnte. Beide, besonders St[einbüchel]., seufzten übrigens erstaunlich offen über allerlei, was eben dort gerade an den umgekehrten Punkten als bei uns zu beseufzen ist! Man konnte sich ehrlich und freundlich die Hand geben und ahnte schon etwas von der Una Sancta."
Karl Barth

Quelle: Brief Karl Barths an Eduard Thurneysen vom 4.2.1927, zit. nach Bahlke, Benjamin: Die katholische Rezeption Karl Barths. Theologische Erneuerung im Vorfeld des Zweiten Vatikanischen Konzils (Beiträge zur historischen Theologie 152), Tübingen 2010, 52f
11. bis 14.05.1927 in der RMV erscheint eine Art öffentliches Bekenntnis Steinbüchels zur Position seines Freundes Ernst Michel (1889-1964), wie dieser sie in seinem umstrittenen und zwei Jahre später indizierten Buch "Politik aus dem Glauben" (Jena 1926) niedergelegt hatte (es handelt sich um eine vierteilige, jeweils auf der Titelseite erscheinende Artikelserie)
SoSe 1927
V.K.D.St. Wappen der Hasso-Rhenania Gießen
Steinbüchel wird wegen seines "großen Interesses für die Verbindung" zum Ehrenphilister der katholischen, farbentragenden, nichtschlagenden Studentenverbindung V.K.D.St. Hasso-Rhenania Gießen im CV ernannt

Quelle: Brief von Ansgar Melcher an Andreas Lienkamp vom 10.5.1998
14.07.1927 seine Professur für Philosophie auf katholischer Grundlage wird in die erste Abteilung der Philosophischen Fakultät eingereiht
ab WiSe 1927/28 Mitglied der Wissenschaftlichen Prüfungsbehörde für das höhere Lehramt
1928
Wappen der W.K.St.V. Unitas Cheruskia zu Gießen im UV
Steinbüchel wird Ehrenphilister und Geistlicher Beirat des nichtfarbentragenden, nichtschlagenden Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereins W.K.St.V. Unitas Cheruskia zu Gießen im UV
1928 "Karl Marx - Gestalt und Ethos": erste von zwei Veröffentlichungen Steinbüchels in "Der Morgen", der von Julius Goldstein herausgegebenen "Monatsschrift der deutschen Juden"
SoSe 1929 durch Verfügung entfällt bei seiner a. o. Philosophie-Professur der Zusatz "auf katholischer Grundlage"
29.04.1929

Mit Brief vom 29.4.1929 lädt Carl Muth, der Herausgeber der Zeitschrift "Hochland", Steinbüchel ein, Beiträge für das seit Januar erscheinende "Rote Blatt der katholischen Sozialisten" beizusteuern - und zwar über ihn als Vermittler, auch ohne Namensnennung, so dass selbst Heinrich Mertens als Herausgeber und Schriftleiter des "Roten Blattes" nicht erfahren müsse, wer der jeweilige Verfasser sei (Muth hatte Mertens, dem Herausgeber des "Roten Blattes" versprochen, ihm bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter behilflich zu sein; Nachlass Carl Muth, Bayerische Staatsbibliothek München, Sign. Ana 390 II.B). Eine Antwort Steinbüchels existiert leider nicht (mehr).
In den Nr. 4 und 6 / 1929 finden sich lediglich (hervorgehobene) Zitate Steinbüchels. Möglicherweise stammen die ab Juli 1929 unter dem Namen "J. Paulus" bzw. "J. P." erscheinenden religiösen Beiträge von Steinbüchel (Wiedergeburt [Nr. 7 / 1929], Unruhe zu Gott [Nr. 8 / 1929], Der Primat der Tat [Nr. 10 / 1929], Götzenzerschmetterung [Nr. 11/12 / 1929], Glaube [Nr. 2 /1930], Kritik und Gestaltung und die christliche Religion / Zum zweiten Kairos-Band [Nr. 7 / 1930]). Stil und Wortwahl deuten darauf hin.

In Steinbüchels Bibliothek befanden sich folgende Nummern des Jahrgangs 1930: 1-5, 7 und 12 (Nachlass Theodor Steinbüchel, Tübingen, Mappe 3, Dok. 2, 1a).
11.08.1929 Zum 10-jährigen Jubiläum erscheint in der RMV ein lobender Artikel Steinbüchels über das - so wörtlich - "Grundgesetz" des deutschen Volkes. Die Mitglieder der verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung verdienten "den Dank des Volkes". "Nicht des Unvollkommenen so schweren Menschenwerkes sollte man sich heute erinnern, sondern des Guten, das es birgt."

Quelle: Steinbüchel: Zehn Jahre Weimarer Reichs-Verfassung, in: RMV Nr. 185 vom 11.8.1929, 2

Einband der WRV von 1919
1929 Steinbüchels Eltern ziehen zu ihm und ihrer Tochter Maria, die den Haushalt führt, nach Gießen, "um im Hessenland eine urkölsche Familienkolonie zu begründen" (Chronik I, 561) Adresse: Liebigstr. 26 (ab WiSe 1929/30)
"Er wirkt in Gießen hochangesehen und insofern vom kath[olischen]. Standort aus besonders segensreich, als er, auf die Beschäftigung mit moderner Philosophie unter seinen meist protestantischen Zuhörern angewiesen, konsequent darauf aus ist, den Wahrheitsgehalt moderner Philosopheme an der Philosophia perennis zu messen und so für deren Gedankengut in kluger Weise zu werben. [...] Sein priesterliches Verhalten ist fleckenlos und wirkt gewiß in dem protest[antischen]. Milieu von Gießen apologetisch.
Er wohnt dort im kathol[ischen]. alten Pfarrhaus, das ihm der Pfarrer, mit dem ihn innige Freundschaft verbindet und den er priesterlich unterstützt, nach dem Umzug ins neu gebaute Pfarrhaus überließ."

Quelle: Brief Kardinal Schultes an Kardinal Faulhaber vom 5.7.1935. Archiv des Erzbistums München und Freising, München. Nachlass Kardinal Michael von Faulhaber, Akt 5892
1930 für die Reihe "Religiöse Quellenschriften" (!), eine Reihe des L. Schwann-Verlags (Düsseldorf), bereitet Steinbüchel einen Band "Dokumente des Sozialismus" vor, der aber nicht mehr erscheint

Quelle: Kirchner, Egon: Methodik der philosophischen Propädeutik, Frankfurt/M. 1930, 49

Bei Fritz Tillmann (links) in Rhöndorf
(Sommer 1930, Chronik III, 204a)
27.- 28.06.1931

"Bd. Phil. x" bedeutet "Badenia Philister-Senior" (Philister = Alter Herr: nach Beendigung der Studien- bzw. Aktivenzeit in die Altherrenschaft aufgenommenes Verbindungsmitglied; Senior = erster Vorsitzender)

beim 49. Stiftungsfest übernimmt Steinbüchel das "Philister-Seniorat" der "Straßburger K.D.St.V. Badenia zu Frankfurt am Main" im CV (er gehört ihr seit 1910 an; die Verlegung nach Frankfurt erfolgte am 4.5.1919)

Die politische Ausrichtung der "Badenia" lässt sich an den Ereignissen um die Beteiligung an der von der Frankfurter Universität angesetzten und von den anderen Verbindungen boykottierten Feier zum zehnjährigen Bestehen der Weimarer Republik ablesen. Erst das geschlossene Auftreten der "Badenia" sowie ihr positives Bekenntnis zur Republik haben dazu geführt, dass die bereits abgesagte Verfassungsfeier (gegen den Druck vor allem der schlagenden Korporationen) dann doch noch stattfinden konnte.
21.02.1932 Dreigespräch zwischen Martin Buber, Paul Tillich und Theodor Steinbüchel über "Religion und Gemeinschaft" im Südwestdeutschen Rundfunkdienst (SWR), Frankfurt am Main

Steinbüchel hat darüber hinaus eine Reihe von Radiovorträgen gehalten, die von unterschiedlichen Sendern ausgestrahlt wurden

Quelle: Südwestdeutsche Rundfunkzeitung Nr. 8 vom 21.2.1932, 1, 4, 8 (Collage: A. L.)

1932 rechts: Steinbüchels persönliches, signiertes Exemplar der 1932 publizierten Landshut-Mayer-Ausgabe der Frühschriften von Marx

Steinbüchel besaß auch die fast zeitgleich in der MEGA erschienene Fassung
Nach Jürgen Habermas war Steinbüchel der erste auf katholischer Seite, der sich an der Rezeption des jungen Marx beteiligte, und dies, ohne einen Trennungsstrich zwischen dem frühen philosophischen Marx und dem späteren Ökonomen zu ziehen.

Quelle: Habermas, Jürgen: Zur philosophischen Diskussion um Marx und den Marxismus, in: Philosophische Rundschau 5 (1957) 165-235, hier 167
29.- 30.07.1933
Wappen der K.D.St.V. Badenia im CV

das eigentlich für den 29.7.-1.8.1932 geplante 50. Stiftungsfest der Badenia wurde "in Anbetracht der schwierigen politischen Verhältnisse" auf Ende Juli 1933 verschoben

Quelle: Rundschreiben des AH-Vorstandes unter dem Vorsitzenden Steinbüchel vom 24.6.1932, in: Hodes, Franz: Geschichte der Straßburger Katholischen Deutschen Studenten-Verbindung "Badenia" zu Frankfurt am Main, Teil ll: Die Frankfurter Zeit 1919-1945, Frankfurt/M. 1982, 60f


50. Stiftungsfest der Badenia in Frankfurt am Main (Ausschnitt; vorn in der Mitte: Steinbüchel)

Quelle: 75 Jahre Badenia 1882 - 1957. Festschrift zum 75. Stiftungsfest, Oberursel 1957, 57
30.01.1933 Adolf Hitler wird von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt - Beginn der nationalsozialistischen Diktatur
20.04.1933 Steinbüchel rät seinem Doktoranden Walter Dirks, das Projekt einer Dissertation über Georg Lukács Werk "Geschichte und Klassenbewusstsein" fallen zu lassen: "Wie es mit v. A. [Prof. Dr. Ernst von Aster; A. L.] gehen wird, weiß ich nicht. Wie es überhaupt mit uns allen geht - wer kann das heute wissen? Dennoch: es heißt jetzt einfach dort zu stehen, wo man steht. Alles andere bleibt abzuwarten. Nur was das Thema Deiner Arbeit betrifft, so teile ich schon seit Wochen genau Deine Bedenken!!
Darum bin ich durchaus einverstanden, wenn Du eine kleinere Arbeit spekulativer Art aus der Ethik beginnen würdest. Ich würde Dir vorschlagen: das Verhältnis von Wert und Sollen. Du weißt ja selbst, welche Probleme dahinter stecken. Dahinein könnte man auch ziehen: Person, Situation. Aber ganz spekulativ".

Quelle: Brief Theodor Steinbüchels an Walter Dirks vom 5.10.1933, Nachlass Walter Dirks im Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn, Sign. 1/WDAC000003

Ernst von Aster, Professorenkollege von Steinbüchel in der Gießener Philosophie, wurde von den Nationalsozialisten 1933 wegen seiner pazifistischen und sozialistischen Einstellung "aus dem Amte entfernt". Er muss gemäß dem Brief von Dirks an Steinbüchel vom 23.5.1933 vor diesem Datum emigriert sein. Er blieb bis 1936 in Schweden und nahm dann einen Ruf an die Universität Istanbul an.

Quelle: Aster, Ernst von: Geschichte der Philosophie, Stuttgart 121958, 504


Walter Dirks bei der Rhein-Mainischen Volkszeitung (1928)

Quelle: Walter Dirks. Gesammelte Schriften. Prospekt des Amman-Verlags, Zürich
08.05.1933 Brief Steinbüchels an den Münchener Erzbischof und Vorsitzenden der Bayrischen Bischofskonferenz Michael Kardinal von Faulhaber aus Anlass der von den Nationalsozialisten am 1.4.1933 durchgeführten Hasskampagne ("Boykott") gegen von Jüdinnen und Juden geführte Geschäfte, Praxen und Kanzleien:

Die christliche Gemeinde schulde auch dem "Samariter am Wege", der ihr Glied nicht sei, aber auf ihre helfende Hand sehe, die christliche Nächstenliebe (gemeint sind vor allem die in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden). Viel bewegt Steinbüchels Brief nicht. Aber immerhin ringt er Faulhaber eine (wenn auch schwache und zudem nichtöffentliche) Rechtfertigung für das Schweigen der bayerischen Bischöfe ab.

Quelle: Archiv des Erzbistums München und Freising, München. Nachlass Kardinal Michael von Faulhaber. Akt 8422 (Judenboykott).
06.06.1933 beim CC (Cumulativ-Convent) der KDStV Badenia tritt Steinbüchel "wegen beruflicher Überlastung" als Philister-Senior zurück, vermutlich aufgrund des politischen Drucks von außen und der Konflikte mit Anhängern der NSDAP innerhalb der Verbindung

er blieb Mitglied des Altherrenverbandes bis zum Verbot der Badenia durch den "Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei" Heinrich Himmler am 20.6.1938

Quelle: Hodes, Franz: Geschichte der Straßburger Katholischen Deutschen Studenten-Verbindung "Badenia" zu Frankfurt am Main, Teil ll: Die Frankfurter Zeit 1919-1945, Frankfurt/M. 1982, 70
05.10.1933 "Unsere Verhältnisse hier sind sehr schwierig. [...] Wenn ich Ihnen einmal meine 7½jährigen Erfahrungen mündlich erzählen könnte, würden Sie es gewiß noch eher verstehen."

Quelle: Brief Theodor Steinbüchels an Adolf Dyroff vom 5.10.1933, Nachlass Adolf Dyroff in der ULB Bonn, Sign. S 2835
23.11.1933 Steinbüchels Vater Martin verstirbt im Alter von 73 Jahren bei ihm in Gießen Bestattung Martin Steinbüchels auf dem Kölner Westfriedhof
31.10.1934 Vereidigung auf den sog. "Führer" (durch Reichsgesetz vom 20.08.1934 eingeführt; erster Diensteid Steinbüchels: Anfang SoSe 1926)

Quelle: Brief von Rektor Prof. Dr. Gerhard Pfahler an den Rektor der Universität München vom 10.12.1935, Universitätsarchiv Tübingen, Sign. 126/655

"Dieser Eid war von allen Beamten gefordert worden, als nach dem Tod Hindenburgs (am 2. August [1934]) Hitler (am 19. August) die Ämter des Kanzlers und Präsidenten vereinigt und selbst übernommen hatte."

Quelle: Busch, Eberhard: Karl Barths Lebenslauf. Nach seinen Briefen und autobiographischen Texten, 3. Aufl., München 1978, 268
1934 neben Michael Schmaus (Münster) und Albert Lang (Regensburg) auf der Liste für den Lehrstuhl für Apologetik / Fundamentaltheologie an der Münchener Katholisch-theologischen Fakultät, den Lang dann zum 01.09.1935 erhielt
1935 auf der Liste des Mainzer Domkapitels für die Nachfolge des am 30.03.1935 verstorbenen Bischofs Ludwig Maria Hugo (1871-1935); gewählt wird am 10.06.1935 der Priester und hessische Zentrumsabgeordnete Albert Stohr

Quelle: Borengässer, Norbert / Stamer, Lambert: Theodor Steinbüchel, in: Unitas Handbuch V, hrsg. von Wolfgang Burr, Bonn 2005, 209-220, hier 214
05.07.1935 Steinbüchel erinnert seinen Kölner Erzbischof, Joseph Kardinal Schulte, an dessen Eintreten für ihn, als eine "Berufung nach Tübingen in Aussicht stand". Er hoffe nun erneut auf dessen Unterstützung. Er selbst stehe auf Platz 1 der Berufungsliste für die Nachfolge Walter, man beabsichtige aber, den auf Platz 2 der Münchener Liste stehenden Prof. Isidor Maier, zu berufen, der - auf Platz 1 der Freiburger Liste stehend - am Widerstand des dortigen Erzbischof gescheitert war. Es sei nun geplant, ihn, Steinbüchel, nach Breslau zu berufen, wogegen er sich mit Händen und Füßen wehrt. Er ziehe München "bei weitem" Breslau vor, und erwäge, einen etwaigen Ruf dorthin abzulehen und in Gießen zu bleiben, sollte die Berufung nach München scheitern.

Quelle: Brief Steinbüchels an Erzbischof Joseph Kardinal Schulte vom 4.7.1935, Archiv des Erzbistums München und Freising, München. Nachlass Kardinal Michael von Faulhaber. Akt 5892
Herbst 1935 Ruf nach München: "In der damaligen politischen Situation dürfte das einer Versetzung gleichgekommen sein."

Quelle: Meinhardt, Helmut: Theodor Steinbüchel (1888-1949) / Philosoph, in: Gundel, Hans-Georg / Moraw, Peter / Press, Volker (Hrsg.): Gießener Gelehrte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Zweiter Teil, Marburg 1982, 930-938, hier 936

Der Etat seiner Gießener Stelle soll nach seinem Wechsel "für nationalsozialistische Forschungsarbeit zur Verfügung gestellt" werden (internes Schreiben der Hauptabteilung J/II des "Sicherheitsdienstes des Reichsführers SS" vom 24. Januar 1936; das Kürzel "H" deutet möglicherweise auf den Leiter der Abteilung, den exkommunizierten Priester und SS-Sturmbann­führer Albert Hartl als Autor hin.

Quelle: BArch, R 58/5579b
19.09.1935 er erhält das "Nihil obstat" (gemäß Can. 256 CIC), das Gaetano Kardinal Bisleti (Amtszeit: 1915-1937), Präfekt der "Sacra Congregatio de Seminariis et de Studiorum Universitatibus", dem München-Freisinger Erzbischof Michael Kardinal von Faulhaber übermittelt
Briefkopf

Quelle: Archiv des Erzbistums München und Freising, München. Nachlass Kardinal Michael von Faulhaber, Akt 5892

München 1935-1941

01.11.1935 Professor für Moraltheologie an der Katholisch-theologischen Fakultät der "Ludwig-Maximilians-Universität München", ab WiSe 1935/36 zunächst Vertretung der Professur, am 5.5.1936 rückwirkend zum 1.11.1935 zum o. Prof. berufen

Mitwirkung in der Akademikerseelsorge

(Chronik III, 149)

Adressen: zunächst Türkenstr. 15 II (wohl nur kurzzeitig), dann:
Karlstr. 32/0

dorthin zogen dann auch die Mutter und die Schwester Maria bis zum Sommer 1940 (Chronik I, 561f, Chronik III, 258)
1936 sein Buch "Der Umbruch des Denkens" erscheint; darin bringt Steinbüchel u. a. seine Wertschätzung für die "große Religionsphilo­sophie" Franz Rosenzweigs und dessen "alttestament­lichen Gottesglauben" sowie für Hermann Cohens "am alttesta­mentlichen Propheten­tum" sich aufbauendes religions­philosophi­sches Werk zum Ausdruck (ebd., 48f)
16.2.1939 Schließung der Münchener Katholisch-theologischen Fakultät durch die National­sozialisten per Verfügung vom 16.2.1939 vom Ende des Winterhalbjahres 1938/39 an

Steinbüchel wird (unter Fortgewährung der Bezüge) beurlaubt

laut P. Bernhard Häring CSsR, seinem Schüler, soll er sich vor den Nazis im Redempto­risten­kloster Gars am Inn versteckt haben, da er "vom nazistischen System das Schlimmste zu fürchten" hatte

Quelle: Häring, Bernhard: Theodor Steinbüchel zum Gedenken, in: "Sozialismus als sittliche Idee". Feier zum 100. Geburtstag und 40. Todestag von Theodor Steinbüchel. Dokumentation der Akademischen Feier, Frankfurt/M. 1989, 16-22, hier 16

Steinbüchels Aufenthalt in Gars ist zumindest für den 28.11.1940, für die Zeit danach und für den 23.03.1941 belegt

Quellen: Postkarte Theodor Steinbüchels an Martin Grabmann vom 28.11.1940, Nachlass Martin Grabmann im Martin-Grabmann-Forschungsinstitut der Universität München, sowie Nachlass Theodor Steinbüchel, Tübingen, Mappe 18, Dok. 15.9
Steinbüchel unterhielt in den Münchener Jahren "besonders freundschaftliche Beziehungen" zu seinem "Kollegen Prof. Dr. phil. Kurt Huber und dem in München studierenden Geschwisterpaar Hans und Sophie Scholl und ihrem Widerstandskreis 'Die weiße Rose'" (Chronik III, 163f)
Steinbüchel lehnt den Ruf auf einen Lehrstuhl für Philosophie an der deutschen Abteilung der Prager Karls-Universität ab (Chronik III, 162, 258; seit dem 15.3.1939 stand Prag unter nationalsozialistischer Herrschaft)

Steinbüchel habe "keine Lust" gehabt, "zu Ehren Herrn Hitlers ständig überwachte Vorlesungen zu halten" (Chronik III, 162)
14.07.1939 auf Platz 1 der Liste für die Nachfolge des (zum 1. April 1940) zu emeritierenden Steinbüchel-Lehrers und Moraltheologen Fritz Tillmann an der Katholisch-theologischen Fakultät der Universität Bonn

Das Reichskirchenministerium lehnt allerdings eine Berufung Steinbüchels nach Bonn ab, "auch wenn damit wieder ein feiernder Münchener untergebracht würde.
Ich würde vielmehr die Versetzung Steinbüchels nach Tübingen begrüßen, um diese Fakultät mal aufzulockern, nachdem mit ihrer Aufhebung bezw. Transferierung nach Freiburg in nächster Zeit wohl noch nicht zu rechnen ist." (Brief von Joseph Roth, Ministerialdirigent im Reichskirchenministerium und Priester des Erzbistums München und Freising, an Prof. Schwarz, Ministerialdezernent für die Katholisch-Theologischen Fakultäten im Reichserziehungsministerium, vom 20.7.1939)

Quelle: Gatz, Erwin: Die Bonner Katholisch-Theologische Fakultät im 'Dritten Reich' und in der Nachkriegszeit, in: Becker, Thomas (Hrsg.): Zwischen Diktatur und Neubeginn. Die Universität Bonn im 'Dritten Reich' und in der Nachkriegszeit, Bonn 2008, 59-77, hier 70f
1939 (kurz vor Kriegs­beginn)

Theodor Steinbüchel zu Besuch bei seiner Schwester Christine (Ordensname: Mater Maria Martina OSU) in Danzig
(Chronik III, 116)
01.09.1939 Beginn des Zweiten Weltkriegs mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen
1939-1945 "Herrn Dr. theol. Theodor Steinbüchel ... wird bescheinigt, daß er gemäß Verfügung des Oberkommandos der Wehrmacht vom 14.10.1939 Nr. 3325/29 betr. Heranziehung von römisch-katholischen Geistlichen und Theologiestudierenden zum aktiven Wehrdienst als Theologieprofessor an der Universität Tübingen von der Pflicht zur Ableistung des Wehrdienstes befreit ist. Rottenburg, den 25. Oktober 1943. Bischöfliches Ordinariat. I.V. [Stempel und Unterschrift]"

Quelle: Nachlass Theodor Steinbüchel, Tübingen, Mappe 10, Dok. 4 [Manuskript-Rückseite]
1941 Steinbüchel berichtet seinem Bruder Anton "von einer 'bald' kommenden neuen, anständigen deutschen Regierung nach Hitlers Sturz". Als nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 die Namen der Verschwörer bekannt werden, erinnert sich Anton Steinbüchel, dass ihm einige der Beteiligten schon Jahre zuvor "vertraulich von Theodor" genannt worden waren, die "nun den Weg des Münchener Professor Huber und der Geschwister Scholl gehen mußten." (Chronik III, 164)

Tübingen 1941-1949

01.04.1941 Lehrstuhlvertretung für Moraltheologie an der "Eberhard-Karls-Universität Tübingen", "unter Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs"

Quelle: Brief des Reichsministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung an Theodor Steinbüchel vom 8.2.1941, Universitätsarchiv Tübingen, Sign. 205/22

erste Vorlesung am Montag, 5. Mai 1941, 9-10

als "Besonderes Forschungsgebiet" nennt Steinbüchel: "kath. Theologie und Philosophie, vor allem system. Theol., Geschichte u. Systematik der Philos."

Quelle: von Steinbüchel handschriftlich ausgefüllter Personalbogen der Universität Tübingen (ohne Datum, aber nach dem 19.4.1941 - Tod der Mutter), Universitätsarchiv Tübingen, Sign. 126/655




Quelle: Eberhard-Karls-Universität Tübingen: Namens- und Vorlesungsverzeichnis. Sommer-Semester 1941, 22 (Ausschnitt)

Adresse: Neckarhalde 64 (bis 30.6.1941, die Münchener Wohnung behielt er solange bei; zu dieser Zeit wohnte unter derselben Hausnummer Studentenseelsorger Bernhard Hanssler; auch das Bischöfliche Ordinariat Rottenburg hatte in diesem Haus seinen Sitz)
ab 1941 Mitherausgeber der renommierten Tübinger 'Theologischen Quartalschrift' (ThQ), in der er auch mehrmals eigene Artikel veröffentlicht
rechts: Stiftskirche und Hölderlinturm am Neckar (Foto: Anton Steinbüchel, Chronik III, 157)
19.04.1941 Steinbüchels Mutter Elisabeth verstirbt 82-jährig in Künzing an der Donau, wo sie seit dem Sommer 1940 mit seiner Schwester Maria bei seinem Schüler Dr. Hermann Gantenberg lebt, der dort als Pfarrer wirkt Bestattung von Elisabeth Steinbüchel auf dem Kölner Westfriedhof, neben ihrem Mann Martin
SoTri 1942 bis SoTri 1945 Geschäftsführender Direktor der Katholisch-theologischen Fakultät
Adresse: Bismarckstr. 14 - hier wohnte Steinbüchel vom 1.7.1941 bis zu seinem Tod am 11.2.1949
SoTri 1945 Prodekan der Katholisch-theologischen Fakultät und Mitglied des "Kleinen Senats" der Universität
08.05.1945 Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa und Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur
1945 Steinbüchel wird in den (geheim tagenden) sog. Säuberungsausschuss der Universität Tübingen (auch Epurations- oder kurz E-Ausschuss) berufen und fertigt Gutachten über NS-belastete Kollegen an (archiviert sind Gutachten über den evangelischen Theologen Theodor Haering und den Philosophiehistoriker Max Wundt vom 1. bzw. 2. Juni)
26.07.1945 (Rück-) Berufung auf das Ordinariat für Moraltheologie an der Universität München (erreicht ihn erst am 15.08.1945) - Steinbüchel entscheidet sich, in Tübingen zu bleiben
14.08.1945 bis SoSe 1946 Ernennung zum Dekan durch den Rektor der Universität (Ablösung des aus "gesundheitlichen Gründen" zurückgetretenen Prof. Dr. Josef Rupert Geiselmann)
20.08.1945 Wiederbeginn der Universitätsarbeit, zunächst der beiden Theologischen Fakultäten, da sie der französischen Militärregierung als am wenigsten "nazifiziert" galten - Tübingen "ist die erste aller deutschen Universitäten, die nach dem Kriege ihre Tore den Lehrern und Studenten wieder öffnen konnte, dank des hohen Interesses und der Förderung durch die französische Militärregierung."

Quelle: Steinbüchel, Theodor: Das Schwabenland und seine Universität, in: Schwäbische Zeitung vom 2.11.1946, 6
01.09.1945 Ordinarius für Moraltheologie - offizielle Übertragung der ordentlichen Professur durch das "Staatssekretariat für das französisch besetzte Gebiet Württembergs und Hohenzollerns" mit Genehmigung der Militärregierung
12.10.1945 erster Vortrag Steinbüchels an der vh Ulm - Leiterin: Inge Scholl, die Schwester von Sophie und Hans Scholl (ab 1952: Inge Aicher-Scholl)
Plakat von Otl Aicher für die vh Ulm
November 1945 Unterzeichner des Stiftungsaufrufs der Gesellschaft Oberschwaben in Aulendorf

von der Mitgliedschaft ausgeschlossen sind "nicht nur Funktionäre der Partei, sondern alle, die eine Gesinnung bekundet haben, die der klargefügten Weite des oberschwäbischen Humanismus zuwiderläuft"

Die Gründung der Gesellschaft Oberschwaben in Aulendorf, Stuttgart 1946
1945 Nachdem seine Schwester Helene Stollenwerk 1944 in Köln ausgebombt worden war (ihr Mann Franz starb 1943, ihr jüngster Sohn Martin 1945, beide als Soldaten), zieht sie zusammen mit ihren Söhnen Theodor (Student der Theologie und Philosophie) und Franz Anton zu ihrem Bruder Theodor, dem sie den Haushalt führt (Chronik III, 201, 472f).
02.05.1946 bis 22.04.1947 erste Amtszeit als Rektor magnificus der Universität Tübingen (Wahl durch den Großen Senat am 19.3.1946)
(weitere Fotos)

Rektoratsrede "Europa als Verbundenheit im Geist" (02.05.1946)

Steinbüchel genießt das Vertrauen der französischen Militärregierung, weil man dort wusste, dass er "offen gegen den Nationalsozialismus war" (Gerfried W. Hunold)
05.07.1946

v.l.n.r.: Capitaine René Cheval (frz. Beauftragter für das Erziehungswesen und Tübinger Universitätskurator), Armeegeneral Marie-Pierre Kœnig (Militärgouverneur der frz. Besatzungszone) und Rektor Steinbüchel (in der Universität Tübingen)

Quelle: Stadtarchiv Reutlingen
Juli 1946 Steinbüchel hält auf der interzonalen "Sozialethischen Arbeitstagung christlicher Studenten" vom 27.-29.7.in Tübingen seinen - so Max Müller - "großartigen Vortrag" über "Karl Marx - Gestalt und Ethos"

erschienen als: Steinbüchel, Theodor: Karl Marx. Gestalt - Werk - Ethos, in: Koch, Nikolaus (Hrsg.): Zur sozialen Entscheidung. Vier Vorträge, Tübingen 1947, 5-37

"Die 'Neue Zeitung' zählte in ihrer Umfrage nach den zehn wesentlichsten Veröffentlichungen der Jahre 1947 und 1948 diesen Vortrag zu den bedeutsamsten geistigen Ereignissen dieser Zeit."

Quelle: Müller, Max: Theodor Steinbüchel. Zum Tode des Tübinger Theologen und Philosophen, in: Badische Zeitung vom 17.2.1949, o. S.
WiSe 1946/47
Vorlesungsverzeichnis der Universität Tübingen
23.04.1947 bis 07.04.1948 Wiederwahl als Rektor für eine zweite Amtsperiode durch den Großen Senat

rechts: im häuslichen Arbeitszimmer (Chronik III, 163, Foto von 1947)
05.02.1948 Mitbegründer des Collegium Leibnizianum (akademisches Vorbereitungsjahr)

rechts: Titelseite der Dokumentation der Auftaktveranstaltung
SoSe 1948 bis WiSe 1948/49 Prorektor - bis zu seinem Tod
23.05.1948 Besuch des 21-jährigen Theologiestudenten Joseph Ratzinger (der spätere Papst Benedikt XVI.) bei Steinbüchel
21.08.1948 700-Jahrfeier des Kölner Domes: Steinbüchel hält eine vielbeachtete Rede zum Thema "Europa als Idee und geistige Verwirklichung"
12.- 19.09.1948 "der Inspirator und die Seele der ersten Beuroner Hochschulwochen" (Studium generale für Studierende aller Fakultäten) zu den Themen "Leib und Verleiblichung" und "Vom Ethos der Berufe"

Quelle: Arnold, Franz Xaver, in: Theodor Steinbüchel zum Gedächtnis. Akademische Trauerfeier vom 15. Februar 1949 im Festsaal der Universität Tübingen, Tübingen 1949, 14-34, hier 16.

Steinbüchel referiert selbst über "Seinsordnung und Ethos" und "Vom Ethos der Wissenschaft"
Einladungen zu Gastvorträgen an die Pariser Sorbonne (Theologenkongress) sowie an die Universitäten von Barcelona und Amsterdam (Internationale Philosophenkongresse)

Quelle: Arnold, Franz Xaver: Theodor Steinbüchel und das christlich-philosophische Gespräch unserer Zeit, in: Universitas 4 (1949) Nr. 2, 373-374, hier 374

Einladungen, auf die er sich sehr freute, denen er aber wegen Krankheit und frühem Tod nicht mehr folgen konnte (Chronik III, 158)
Anfang Oktober 1948 letzter Besuch bei der Familie seines Bruders Anton in Köln-Buchforst (Adresse: Herschelstr. 2) während einer Vortragsreise: "Dabei erzählte er mir von seinen vielen wissenschaftlichen Vorhaben und Plänen, die der Lösung harrten." (Chronik III, 130)

"Kaum vier Monate später rief Gott ihn zu sich, dem er sein Leben in Seelsorge und Wissenschaft gewidmet hatte." (Chronik III, 471)

Steinbüchel bei der Arbeit

Quelle: 10 Jahre Ulmer Volkshochschule, Ulmer Monatsspiegel 7 (1956) Nr. 74, 15
ab 26.01.1949 Krankheitsvertretung durch seinen Schüler (und späteren Professor für Moraltheologie an der Universität Graz und für Katholische Theologie an der FU Berlin) Marcel Reding
1949 geplante Rückkehr an die Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main auf eine Professur für Mittelalterliche Philosophie zum SoSe 1949

Liste: 1. Theodor Steinbüchel (Tübingen), 2. Josef Pieper (Münster), 3. Bernhard Welte (Freiburg)

Berufung durch den Hessischen Kultusminister: "Am Morgen nach der Nacht seines Hinscheidens [am 11.2.1949] rief Josef Nielen das Hessische Staatsministerium an, um Theodors Tod mitzuteilen. Betroffen und bewegt, antwortete der hohe Staatsbeamte: 'Heute liegt die Berufung Professor Steinbüchels in der Mappe des Ministers zur Unterschrift!'" (Chronik III, 226)
Anfang Februar 1949 Steinbüchel unterzieht sich in der chirurgischen Klinik der Universität Tübingen einer Operation, die er wegen seines Rektorates immer wieder aufgeschoben hatte

diese verläuft gut und er befindet sich ganz offensichtlich auf dem Weg der Besserung
11.02.1949 überraschender Tod Theodor Steinbüchels im Alter von nur 60 Jahren

eine Gehirnembolie mit der Folge eines Schlaganfalls macht eine Schädeloperation des bewusstlos Gewordenen erforderlich

die letzte "Wegzehrung" reicht ihm sein Doktorand, der Tübinger Studentenpfarrer (und spätere Tübinger Professor für Moraltheologie) Dr. Alfons Auer

in der Nacht nach der Notoperation, um 3 Uhr in der Frühe, verstirbt Steinbüchel

Quellen: Chronik III, 172, sowie Brief Theodor Münckers an Helene Stollenwerk vom 5.3.1949

Text auf der Rückseite des Totenzettels: "Ich bat, und es ward mir Einsicht gegeben; ich rief und der Geist der Weisheit kam zu mir. Ich zog sie Königreichen und Thronen vor und hielt Reichtum für nichts im Vergleich zu ihr. Ich freute mich, weil mich die Weisheit leitete. Ohne Falsch habe ich sie erlernt, und neidlos teile ich sie mit und halte ihren Wert nicht geheim. Denn ein unerschöpflicher Schatz ist sie für die Menschen." (Weish. 7,7-14)
12.02.1949
Todesanzeige, in: Schwäbisches Tageblatt vom 12.2.1949
1949 Bei Steinbüchels Schwester Helene Stollenwerk und seinem Bruder Anton ging eine Fülle von Beileidsbekunden nicht nur aus dem großen Freundes- und Bekanntenkreis, sondern auch aus Kirche, Politik und Gesellschaft ein. Stellvertretend für diese Bereiche seien die folgenden Schreiben von Erzbischof Josef Kardinal Frings, Konrad Adenauer und Inge Scholl aufgeführt. Unter der Post befindet sich auch ein sehr persönlicher Brief von Freire René de Naurois, Saint Maurice - par Villemur (Haute-Garonne), vom 2.3.1949. Der spätere Abt war aktiv im französischen Widerstand und wurde 1989 in Yad Vashem mit dem Ehrentitel "Gerechter unter den Völkern" ausgezeichnet.
14.02.1949 "Sehr geehrter Herr Steinbüchel,
zum Tode Ihres Herrn Bruders sage ich Ihnen mein aufrichtiges Beileid! Wie tragisch, daß er auf der Höhe seiner Schaffensmöglichkeit von hier weg mußte! Aber wie es Gottes hl. Wille ist! Gern gedenke ich des edlen und lieben Verstorbenen am Altar, wie ich es bereits heute Morgen getan habe.
In stiller Teilnahme
Ihr ergebener
+ Jos. Card. Frings"
Beileidsschreiben von
Josef Kardinal Frings
Erzbischof von Köln
Vorsitzender der Fuldaer Bischofskonferenz (Chronik III, 178)
15.02.1949 "Allen Familienmitgliedern des heimgegangenen Professors Theodor Steinbüchel spreche ich mein herzlichstes Beileid aus. Der viel zu frühe Tod Ihres von mir so sehr geschätzten Bruders hat mich sehr berührt; ich werde ihm ein gutes Andenken bewahren.
In aufrichtiger Teilnahme
Ihr sehr ergebener
Adenauer"

Beileidsschreiben von Konrad Adenauer
Präsident des Parlamentarischen Rates
und späterer Bundeskanzler (Chronik III, 182)
19.02.1949 "Sehr verehrte Frau Stollenwerk,
es war für mich eine sehr schmerzliche Überraschung, statt einer endgültigen Zusage zum Vortrag nun die Todesnachricht von Ihrem Bruder zu erhalten. Lassen Sie mich Ihnen sagen, wie sehr ich mit Ihnen um ihn trauere. Er hat mir einfach durch seine Existenz in unserer ringenden und nach neuen Wegen suchenden Zeit unendlich viel bedeutet. [...] Er war in vieler Hinsicht der aufgeschlossenste Katholik in Deutschland, deshalb ist sein Hinscheiden für das Deutsche Geistesleben besonders schwerwiegend. [...]
Mit ergebenen Grüßen,
Inge Scholl"

Beileidsschreiben von Inge Scholl (S. 1)
Leiterin der Ulmer VHS
Schwester von Sophie und Hans Scholl
15.02.1949 rechts: Nachruf im Programm der vhs Ulm, März 1949 - Text von Inge Scholl (Collage: A. L.);
Inge Scholl, die Schwester von Sophie und Hans Scholl, war eine sehr gute Bekannte Steinbüchels

Quelle: Deutsches Institut für Erwachsenenbildung: Programmarchiv

15.02.1949 7.30 Trauergottesdienst in der Katholischen Stadtpfarrkirche

10.00 Akademischer Trauerakt der Universität im Festsaal der Neuen Aula

anschl. Beisetzung auf dem Tübinger Stadtfriedhof (der eigentlich für weitere Bestattungen gesperrt war)

Das ursprüngliche Grabkreuz auf dem Tübinger Stadtfriedhof (Chronik III, 176) "mit dem Signum des katholischen Priesters, dem Kelch des Heiles" (Chronik III, 225)
Das Grab Steinbüchels auf dem Tübinger Stadtfriedhof liegt - etwas versteckt - in der Nähe der letzten Ruhestätten von Carlo Schmid und Kurt-Georg Kiesinger, unweit des Grabes von Friedrich Hölderlin (Abt. H, Reihe I, Grab 5).
Der jetzige, schlichte Grabstein auf dem Tübinger Stadtfriedhof
1949
Ein sehr treffender Nachruf aus der Feder seines Schülers und Freundes Walter Dirks

Quelle: evtl. Frankfurter Neue Presse, Datum unbekannt (mit dem Vortrag, den er am Schluss anspricht, meint Dirks wahrscheinlich: Steinbüchel, Theodor: Karl Marx. Gestalt - Werk - Ethos, in: Koch, Nikolaus (Hrsg.): Zur sozialen Entscheidung. Vier Vorträge, Tübingen 1947, 5-37)
1950 die Bildunterschrift lautet:

"THEODOR STEINBÜCHEL, geboren am 15. Juni 1888 in Köln, lehrte von 1941 bis zu seinem Tod am 11. Februar 1949 als Moraltheologe an der Universität Tübingen. Das Bild zeigt ihn als Rector magnificus. In schweren Jahren wurde er zweimal in dieses Amt gewählt."

Quelle: ThQ 150 (1970) 149

auf das Jahr 1950 datiertes Ölgemälde von Siegfried Czerny
1989 Dokumentation der Gedenkveranstaltung mit Beiträgen von Helmut Meinardt, Bernhard Häring und Benno Haunhorst